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aktualisiert 10.05.2011

Forst-Sachverständigenbüro Rittershofer

 

Weiss-Tanne
(Abies alba)

Die Weiß-Tanne - Sorgenkind und Hoffnungsträger

Die Weißtanne, aus ökologischen und waldbaulichen Gründen ein unverzichtbares Element unserer Wälder, war ursprünglich weit verbreitet und mit Abstand die häufigste Nadelbaumart Mitteleuropas. Ihr Waldanteil hat in den letzten Jahrhunderten stark abgenommen und in einigen Gebieten ist sie mittlerweile eine Rarität. Um möglichst umfassende Informationen über diese faszinierende Baumart aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu erhalten lud die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zu einer Fachtagung nach Gunzenhausen ein.

In den letzten zwei Jahrhunderten nahm der Tannenanteil unserer Wälder, aufgrund waldbaulicher Fehler und zu hoher Wildbestände von ca. 8 – 15 % natürlichem Waldanteil auf unter 2% ab. Sie kommt zwar noch fast im gesamten natürlichen Verbreitungsgebiet vor, ist z.T. (Sächsische Schweiz) durch die geringe Stückzahl genetisch so stark eingeschränkt ist, dass das Saatgut nicht mehr in den Verkehr gebracht werden darf.

Die Tanne kommt in der Regel in Mischung mit anderen Baumarten in vielen heimischen Waldgesellschaften vor und wird wegen ihrer hohen Wurzelintensität und ihrer stabilisierenden Wirkung geschätzt. Der Schwerpunkt ihres Vorkommens liegt nach wie vor im Bergmischwald, wo sie zusammen mit Fichte, Buche und Ahorn zur Sicherung der vielfältigen Schutzfunktionen beträgt und einen flexiblen und naturnahen Waldbau mit gesunden, strukturreichen und funktionsgerechten Wäldern ermöglicht.

Die Weißtanne (Abies alba) – Dendrologische Anmerkungen

Zur Gattung Abies (Tanne) aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) und der Unterfamilie der Tannenartigen (Abietoideae) gehören, nach Gregor Aas (Ökologisch-Botanischer Garten, Universität Bayreuth), etwa 50 Arten, die alle auf der Nordhalbkugel verbreitet sind.

Neben der Weißtanne kommen in Europa vier weitere Arten vor, die Spanische Tanne (A. pinsapo) im südlichen Spanien, die akut vom Aussterben bedrohte Nebroden-Tanne (A. nebrodensis) auf Sizilien, die Griechische Tanne (A. cephalonica) in Griechenland und die König-Boris-Tanne (A.borisiiregis) im nördlichen Teil der Balkanhalbinsel.

Abb. 1: Verbreitung der Gattung Abies in Europa, Nordafrika und Kleinasien

Das Verbreitungsgebiet von Abies alba erstreckt sich in mittel- und südeuropäischen Gebirgen von den Pyrenäen und dem französischen Zentralplateau im Westen über die Alpen, den Jura und die Vogesen, nördlich bis zum Schwarzwald, nach Thüringen und Tschechien, im Osten bis zu den Karpaten und südlich bis Korsika, Süditalien und die Gebirge des Balkans. Die Höhengrenze liegt im Frankenwald und Fichtelgebirge bei maximal 1.200 m, im Schwarzwald bei maximal 1.480 m, in den Bayerischen Alpen bei etwa 1.550 m und in den Zentralalpen (Wallis) bei maximal bis 2.000 m. Die höchstgelegenen Vorkommen der Weißtannen befinden sich im bulgarischen Pirin-Gebirge auf 2.900 m Meereshöhe.

Tannen erkennt man an ihrem streng monopodialen Wuchs mit durchgehender Hauptachse, ihrer in der Jugend bevorzugten etagenartigen (Scheinquirlen) Verzweigung, zwischen denen in spiraliger Anordnung schwächere Äste stehen, ihrer grau-weißen Farbe der Rinde, ihren einzeln, nur an Langtrieben wachsenden Nadeln und ihren aufrecht stehenden Zapfen, die bei der Samenreife am Baum in ihre Deck- und Samenschuppen sowie Samen zerfallen, wobei die Zapfenspindel noch einige Jahre am Zweig verbleibt.

Die Tanne hat eine lange glatt bleibende, hell- bis weißgraue Rinde mit kleinen Harzblasen. Im Alter von 40 bis 60 Jahren setzt die Bildung der dunkelgrauen, rissigen Schuppenborke ein.

Junge Triebe haben eine kurze, braune Behaarung, die nadellosen Triebe sind glatt. Ihre hellbraunen, harzlosen Knospen sind stumpf eiförmig und haben wenige Schuppen.

Die spiralig angeordneten Nadeln sitzen mit einem grünen, saugnapfartig verbreiterten „Fuß“ am Trieb und bleiben bis zu 12 Jahren am Baum, was die ausgeprägte Schattentoleranz der Weißtanne andeutet. Die Größe, Form und Stellung am Zweig, der oberseits glänzend dunkelgrünen und unterseits hellen, mit zwei breiten, weißen Spaltöffnungsstreifen ausgestatteten Nadeln, variieren in Abhängigkeit von der Position am Baum erheblich: Schattenblätter sind deutlich abgeflacht, länger und tragen nur auf der Unterseite Spaltöffnungen (Stomata). Sie stehen mehr oder weniger streng gescheitelt (in einer Ebene), wobei die auf der Unterseite des Astes entspringenden Nadeln wesentlich länger sind als die der Oberseite (Anisophyllie). Lichtnadeln sind kürzer, im Querschnitt rhombisch und stehen bürstenartig in alle Richtungen vom Zweig ab. Stomata finden sich hier nicht nur auf der Unterseite der Nadel, sondern an deren Spitze auch auf der Oberseite.

Die windblütige, einhäusige Tanne wird mit 50 - 70 Jahren mannbar (fortpflanzungsreif) und blüht im Mai bis Juni. Ihre weiblichen, 3-5 cm langen, blassgrünen Blütenstände (Zäpfchen) entstehen im obersten Kronenbereich aus den Seitenknospen auf der Oberseite kräftiger Triebe des Vorjahrs, wobei männliche und weibliche Blüten nur selten auf dem selben Zweig wachsen. Die zapfenähnlichen, 2-3 cm langen, gelblichen männliche Blüten, treten gehäuft auf der Unterseite in den Achseln vorjähriger Nadeln im mittleren und unteren Kronenbereich auf.

Die Samen reifen in aufrechten, walzenförmigen, bis 20 cm langen und 3-5 cm dicken, grünbraunen Zapfen mit sichtbaren, zungenförmigen Deckschuppen bis September und Oktober des Blühjahres. Nach der Samenreife zerfallen die Zapfen am Baum und entlassen die unregelmäßig dreikantigen, 7-13 mm großen, glänzend-braunen Samen mit einem breiten, brüchigen Flügel und einer sehr harzreichen, festen Samenschale. Die Verbreitung erfolgt vom Herbst bis ins Frühjahr durch den Wind.

Abies alba kann Proventivtriebe („Wasserreißer“) bilden, d.h. schlafende Knospen am Stamm können bei Bedarf austreiben und die Krone von unten und von innen heraus regenerieren. Im Alter und bei nachlassender Vitalität bildet die Tanne eine „Storchennestkrone“. Dabei wachsen die schräg nach oben wachsenden Seitentriebe stärker als der Gipfeltrieb erreichen dessen Höhe und überragen ihn sogar. Es entsteht zunächst eine breit abgerundete bis abgeflachte, später konkave Kronenspitze.

Die Weißtanne ist extrem schattentolerant, wächst bis ins hohe Alter. Sie erreicht Baumhöhen von über 70 m, Brusthöhendurchmessern (Durchmesser in 1,3 m Höhe) von bis zu 4 m und kann über 500 Jahre alt werden. Sie ist die größte heimische Baumart. Tannenbestände oder zumindest solche mit einem hohen Tannenanteil gehören zu den produktivsten und vorratsreichste

Abb. 2: Das Wurzelwerk der Tanne in den verschiedenen Altersphasen nach KÖSTLER et al.

n Wäldern Mitteleuropas. Trockenheit, extrem kalte Winter, Frosttrocknis und Spätfröste limitieren ihre Konkurrenzfähigkeit. Optimale Standorte sind frische, kühle, mehr oder weniger basenreiche, humose, steinige Lehmböden in humiden, sommerwarmen Lagen der montanen und tieferen subalpinen Stufe. Als weitgehend bodenvage Art wächst sie aber auch auf dichten, tonreichen, staunassen und pseudovergleyten Böden.

Das Wurzelwerk der Weißtanne

Die Tanne entwickelt, nach Jürgen Gulder (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising), weitgehend unabhängig vom Boden, eine starke Pfahlwurzel.

In der ersten Lebensphase wird eine führende Pfahlwurzel angelegt. Sie reicht im Durchschnitt nach zehn Jahren im Mittel 40 cm tief und nach 70 - 100 Jahren, wenn Tiefenwachstum der Pfahlwurzeln weitgehend abgeschlossen ist (Abb. 2), auf durchlässigen Sand- und Lehmböden eineinhalb bis zwei Metern tief in den Boden und bis drei Metern (in extremfällen 10m) in vertikaler Richtung. Erst bei Erreichen des Grundwasserhorizontes gliedert sich die Wurzel in seitwärts gerichtete, fein verzweigte Stränge auf. Neben der vertikal ausgerichteten Pfahlwurzel bildet die Tanne einen Kranz von vier bis sechs kräftigen Hauptseitenwurzeln, die auf durchlässigen Substraten schräg abwärts in den Boden vordringen.

Die Feinverzweigung ist nadelbaumtypisch relativ gering und erstreckt sich entlang der dünneren Seitenwurzeln ziemlich gleichmäßig auf den gesamten Wurzelraum. Die Feinwurzeln finden sich gehäuft an den Enden der Ve

Abb. 3: Wurzelausdehnung einer Tanne im Bayerischen Wald nach KUTSCHERA und LICHTENEGGER

rtikal- und Pfahlwurzeln. Auf trockeneren Standorten entwickeln sich Anhäufungen von Fein- und Feinstwurzeln in tiefer liegenden, feuchten Schichten. An den kräftigen Seitenwurzeln bilden sich im höheren Alter dicke, stark verzweigte Senkerwurzeln, die meist annähernd die Tiefe der Pfahlwurzel erreichen. Von allen Nadelbaumarten leistet die Tanne auf den waldbaulich schwierigen, sauerstoffarmen Böden (Staunässe, Pseudogley, Ton) den weitaus besten vertikalen Aufschluss (Abb. 3).

Waldwachstumskundliche Charakterisierung der Tanne

Die Tanne ist für Reinbestände nicht geeignet. Ihre wahre Leistung zeigt sie im subatlantisch getönten Klima, im höheren Alter im Bergmischwald, im Plenterwald und ungleichaltrigen, stufigen Beständen, die im Alter viel Platz zur Kronenentwicklung bieten. Die Tanne hat eine hohe Zuwachsleistung in einer Altersphase, in der die Fichte rückläufige Zuwächse aufweist. Hier ist sie der Fichte in der Volumenleistung weit überlegen.

Mit ihrer tief reichenden Wurzel stabilisiert die Tanne bei einem stufigen Bestandesaufbau, laut Dr. Heinz Utschig (Lehrstuhl für Waldwachstumskunde, TU-München), Fichtenbestände und fungieren darüber hinaus als Basenpumpe (Bodenverbesserung). Auf hohe Konkurrenz und Gleichschluss reagiert die Tanne mit dem Abbau ihrer Krone und der Bildung von Wasserreisern. Deshalb sollte sie durch Umlichtung der Krone und intensive Kronenpflege konsequent gefördert werden.

Wegen ihrer Eigenschaft, in Wartestellung lange ausharren zu können, um dann bei Änderung der Konkurrenzverhältnisse rasch im Zuwachs zu reagieren, ist die Tanne prädestiniert für stufige Waldaufbauformen. In Verjüngungsbeständen reagieren Tannen auf die Auflichtung auch noch in hohem Alter mit Lichtungszuwachs. Die hohe ökologische Bedeutung der Tanne spricht für eine Intensivierung der Tannenbeteiligung in unseren Wäldern.

Die Tanne in den natürlichen Waldgesellschaften

Die Weißtanne überdauerte, nach Dr. Christian Kölling, Dr. Helge Walentowski (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising), Prof. Dr. Jörg Ewald (Fachhochschule Weihenstephan Fachbereich Wald und Forstwirtschaft (Botanik, Vegetationskunde), Freising), die letzte Eiszeit im Apennin, in Griechenland und in Spanien. Aus diesen Gebieten wanderte

Abb. 4: Natürliche Verbreitung tannenreicher Wälder in Europa nach Bohn et al. (2003); die Karte wurde durch Abfrage der interaktiven CD-Rom „Karte der natürlichen Vegetation Europas“ erstellt.

sie um 4.000 v. Chr. von Westen her in das französische Zentralmassiv und die Gebirge Süddeutschlands. In der Schweiz gelangte sie über den Alpenhauptkamm ins Rheintal und das Alpenvorland. Auf einem dritten Weg umwanderte die Tanne die Ostalpen und erreichte ca. 3.000 v. Chr. die Karpaten. Diese unterschiedlichen Wanderrouten haben sich auf die Genetik der Weißtanne aufgewirkt.

Das Hauptvorkommen der Tannen liegt nicht in den Tannenwaldgesellschaften (Abieteten) sondern in den flächenmäßig viel bedeutsameren Buchenwaldgesellschaften, vor allem im Bergmischwald der Alpen und den höheren Mittelgebirgen. Ihr Optimal hat die Weißtanne im montanen, subatlantischen und subkontinentalen Bergmischwald (Abb. 4).

Es werden fünf heimische Tannenwald-Assoziationen unterscheiden, die zwischen den Buchenwäldern und den Fichtenwäldern vermitteln (Abb. 5). Die Gruppe der beerstrauchreichen Fichten-Tannenwälder werden den Fichtenwäldern (Piceion abietis) zugeordnet. Die Gruppe der krautreichen Tannenwälder mit höherem Buchenanteil gehört in den Verband der Buchen- und Buchenmischwälder (Galio- Fagion sylvaticae). Die Gliederung der Tannenwaldgesellschaften ist standortsabhängig:

  • Vaccinio vitis-idaeae-Abietetum (Preiselbeer-Fichten-Tannen-Kiefernwald): Stark staunass/wechselfeucht, äußerst sauer und sehr nährstoffarm, mit viel Fichte und Waldkiefer
  • Luzulo-Abietetum (Silikat-Hainsimsen-Fichten Tannenwald): Hangfeucht/feucht, sauer und nährstoffarm, mit viel Fichte und wenig Buche.
  • Galio-Abietetum (Rundblattlabkraut-Tannenwald): Schwere nährstoffreiche Tonböden, mit Fichte und wenig Buche.
  • Pyrolo-Abietetum (Wintergrün-Tannenwald): Flachgründige Kalkmergelböden, mit Fichte und relativ wenig Buche.
  • Adenostylo glabrae-Abietetum (montaner Karbonat-Tannenwald): Flachgründige Humuskarbonatböden, Fichte und mäßig Buche.

    Abb. 5: Systematische Gliederung der Tannenwälder (Abieteten); eine wichtige Differenzierung ergibt sich aus dem Basenhaushalt der Standorte, wie ihn der Tiefenverlauf der Basensättigung abbbildet. Die Bandbreite reicht von hoher Basensättigung im gesamten Wurzelraum (Typ 1) bis hin zu tiefreichender Versauerung (Typ 5)

  • In diesen Tannenwaldgesellschaften ist die Buche meist als Mischungselemente enthalten, kann aber aufgrund ungünstiger Standorts- und Wachstumsverhältnisse nur eine untergeordnete Rolle spielen.
  • Im Bergmischwald, d.h. in Buchenwaldgesellschaften in Gebirgslagen, mit seiner Vielfalt an Bestandsstrukturen und Kleinstandorten, in denen mit abnehmender Konkurrenzkraft der Buche auch Tanne, Fichte und Bergahorn eine wichtige Rolle spielen, ist die eigentliche Heimat der Tanne. In der Gemeinschaft mit anderen Baumarten erreicht sie ihre besten Wuchsleistungen.

    Außerhalb des Bergmischwaldes findet man die Tanne in subatlantischen und kontinentalen Buchenwaldgesellschaften. Im sauren Hainsimsen-Buchenwald, im Waldmeister-Buchenwald und im basenreichen Waldgersten-Buchenwald ist die Tanne Bestandteil der Baumschicht, wobei sie nie dominant wird. Im klimatischen Optimum der Buchenverbreitung wird die Konkurrenz der Buche übermächtig, die Buchenwälder dieses Klimabereichs sind von Natur aus weitgehend tannenfrei. Vor allem die besondere Kronenausbildung der Buche mit ihrer ausgeprägten seitlichen Expansionskraft dürfte ein wichtiger Grund für ihre Überlegenheit sein.

    Die Tanne setzt sich in Buchenwaldgesellschaften nur dann gegen die ansonsten übermächtige Konkurrenzkraft der Buche durch, wenn die Buche mit widrigen Standortsbedingungen (z.B. schweren Böden) zu kämpfen hat und in ihrer Konkurrenzkraft geschwächt ist, wobei

     Buche und v.a. Tanne trockene Standorte und klimatische Trockengebiete eher meiden.

    Die Tanne ist im Gegensatz zur Fichte auch in tiefer gelegenen Regionen heimisch, ist aufgrund ihrer Wurzel weniger trockenheitsanfällig und windwurfgefährdet und belebt als Tiefwurzler die Nährstoffkreisläufe. Sie bereitet, abgesehen vom Wildverbiss, kaum Forstschutzprobleme und ist, wegen ihrer Schattentoleranz, eine ideale Mischbaumart zur Buche. Innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes sollte man die vielen hervorragenden waldbaulichen Freiheiten und Möglichkeiten, die die Tanne bietet nutzen um die Tanne aus ökonomischen wie ökologischen Gründen stärker am Waldaufbau zu beteiligen.

    Genetische Variation der Weißtanne in Bayern

    Die Weißtanne weist im Vergleich zu den anderen Baumarten einige „genetische Besonderheiten“ auf. Einzelne Genvarianten sind, nach Monika Konnert (Bayerisches Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht, Teisendorf) und Prof. Dr. Erwin Hussendörfer (Fachhochschule Weihenstephan Fachbereich Wald und Forstwirtschaft (Waldbau, Anzucht von Waldbäumen), Freising), nur in bestimmten Regionen zu finden (arealspezifische Genvarianten). So nimmt z. B. innerhalb Süddeutschlands die genetische Diversität von West nach Ost und von Süd nach Nord ab. Bei der genetischen Diversität und Heterozygotie (Grad der Gemischterbigkeit) sind die Unterschiede viel größer. Die mit Abstand geringsten Werten finden wir im Frankenwald und Fichtelgebirge, die größte Variationsbreite in Mittelfranken.

    Grund hierfür ist die Rückwanderung der Tannenpopulationen aus den eiszeitlichen Rückzugsgebieten. In das Allgäu, das Alpen- und Voralpengebiet bis etwa in den Bereich des Inns wanderte die Tanne aus inselartigen Refugien im Apennin über den relativ kurzen „Allgäuweg“ (Rheingraben) zurück. Über den deutlich längeren „Ostalpenweg“ (Südrand der Alpen, Waldviertel) gelangte sie in die ostbayerischen Mittelgebirge, die Berchtesgadener Alpen und den Chiemgau. Während dieser sehr viel längeren Wanderung nach Ost- und Nordostbayern war der Selektionsdruck vor allem wegen der starken Konkurrenz der Buche größer. Ein Verlust an genetischer Information als Folge selektiver Vor- bzw. Nachteile bestimmter Genotypen führte wahrscheinlich zu den deutlich geringeren Diversitätswerten. In Mittelfranken und Schwäbisch-Fränkischen Alb treffen sich die Ausläufer westlicher („Schweizer-Jura-Weg“) und östlicher („Ostalpen-Weg“) Rückwanderungswege, wofür die große genetische Heterogenität und die relativ hohe genetische Diversität der Tannenpopulationen spricht.

    Schädigung, Absterben und Erholung der Weißtanne

    Seit Mitte des 19.Jahrhunderts wurde, nach Prof. Dr. Wofram Elling (Fachhochschule Weihenstephan Fachbereich Wald und Forstwirtschaft (Bodenkunde), Freising), ein Absterben von Tannen auf großen Flächen beobachtet. Der Begriff „Tannensterben“ wurde geprägt. Schädigung und Absterben der Weißtanne beruhen auf dem komplexen Zusammenwirken mehrerer Teilursachen. Im Ursachenkomplex des Tannensterbens spielen schwefelhaltige Immissionen eine entscheidende Rolle. Die Tanne ist gegenüber SO2-haltigen Abgasen die „empfindlichste einheimische Baumart“, also ein besonders sensibler Bioindikator.

    Das Tannensterben begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts im hoch industrialisierten Sachsen, wo die Schwefeldioxidemission damals schon höher war als in der alten Bundesrepublik zur Zeit ihres Höchststandes (1970er Jahre). Das Tannensterben, bei dem sich stets Jahrringausfälle bei geschädigten Tannen nachweisen lassen, breitete sich dann weiter aus im Frankenwald, im Fichtelgebirge und im nördlichen Oberpfälzer Wald. Ab Mitte der 1960er Jahre griffen dann Schädigung und Absterben von Weißtannen auch auf die industriefernen Gebirgslagen des Bayerischen Waldes und des Schwarzwaldes über.

    Hauptursache hierfür sind die schwefelhaltigen Immissionen. Schwefeldioxidbelastungen führen zum Abwurf älterer Nadeljahrgänge und steigert die Empfindlichkeit der Tanne gegen scharfen Winterfrost. Eine Unterversorgung der Wurzel mit Assimilaten bei verlichteter Krone führt zu einem verstärkten Befall durch parasitische Pilze, v.a. Hallimasch-Arten. Erst die drastischen Reduktion der Schwefeldioxidemission der Großfeuerungsanlagen und führte zu einer Erholung der Tannen.

    Entwicklung des Kronenzustandes der Tanne

    Nach Dr. Franz-Josef Mayer (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising) verbessert sich der Kronenzustand der Tanne seit 1997 kontinuierlich. Trotzdem hat die Tanne die höchsten durchschnittlichen Nadelverluste aller Baumarten. Es gibt erst Hinweise, dass der Ferntransport von Ozon aus Ballungsgebieten und regional erhöhte UV-Strahlenbelastung die Regulationsmechanismen der Pflanzen stören und die empfindlich gegen Trockenphasen machen.

    Die Verlust der Tanne im Frankenwald

    Der Frankenwald liegt, laut Olaf Schmidt (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising), nach am nördlichen Verbreitungsrand des natürlichen Areals der Weißtanne und war bis ins frühe Mittelalter ein ausgedehnter, geschlossener Urwald, der sogenannte „Nortwald“. Besiedelt wurde er wegen des ungünstigen Klimas erst relativ spät und überwiegend auf den Hochflächen. Die landwirtschaftliche Produktion war dort immer schwierig, weshalb die Menschen schon früh den Wald als zusätzliche Einnahmequelle nutzten. Handwerkliche Holzverarbeitung, Köhlerei, Glasbläserei und Flößerei (schon 1386) sicherten zusätzliches Einkommen. Im 19. Jahrhundert verließen 10.700 Böden (= Flöße) mit insgesamt 50.000 fm Holz jährlich den Frankenwald nach Holland.

    Der Laubholzanteil sank zwischen den Jahren 1500 und 1700 von 40%  auf 10% während der Tannenanteil von 60% auf 80% Tanne stieg. Die Tanne verlor ihre für ein gesundes Wachstum notwendigen Laubbaumbegleiter. Übernutzungen führten in der Folgezeit zu Lichtungen und ausgedehnten Blößen in den Wäldern. Erst in der bayerischen Zeit nach der Säkularisation versuchte man eine planvolle Forstwirtschaft einzuführen und den Raubbau im Wald zu stoppen. Zu dieser Zeit war die Tanne noch zu über 2/3 und die Fichte zu 1/3 am Bestockungsaufbau beteiligt. Die Tanne musste, aufgrund eingeführter Saumschlageverfahren und immer weiter sinkenden Umtriebszeiten im Gleichschluss mit der Fichte aufwachsen, sodass sie dieser letztendlich unterlag. Im Jahre 1910 betrug die Baumartenverteilung im Frankenwald rund 2/3 Fichte, 1/3 Tanne und nur noch wenig Buche. Im Jahr 1934 gab es noch 25% Tanne, 1973 noch 2,3% und heute nicht einmal mehr 1%! Hierfür ist nicht ausschließlich die Forstwirtschaft, sondern seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch das „Tannensterben“ verantwortlich.

    Nach Reduktion der Schwefelemissionen, auf heute noch immer hohe 13 kg/ha und Jahr, haben sich viele Tannen sichtbar erholt. Mit der Klimaänderung kommt auch eine Chancen für die Tanne als Waldbaumart. Mit der höheren Wärme, ihrer verdunstungshemmenden Wachsschicht der Nadeln und ihrem tiefreichenden Wurzelsystem erreicht dort noch Wasser holen, wo es für die Fichte nicht mehr verfügbar ist.

    Der Tanne muss daher, gerade mit Hinblick auf die prognostizierte Klimaerwärmung eine noch stärkere Beachtung geschenkt werden. Langfristige Verjüngungsverfahren mit Naturverjüngung, femel- bis plenterartigen Bestandesaufbau und langen Produktionszeiträumen garantieren, den vorgesehenen Tannenanteil. Gemischte, strukturreiche Wälder, die einer Vielzahl oft gefährdeter Tier- und Pflanzenarten einen optimalen Lebensraum bieten. Dies sind vor allem Arten, die auf alte, reife Wälder angewiesen sind wie z.B. Schwarzstorch, Schwarzspecht, Hohltaube oder Raufußkauz.

    Waldbauliche Aspekte der Weißtanne

    Außer auf Böden mit einer Humusauflagen von mehr als 5 cm z.B. in Heidelbeerbeständen und auf wasserzügigen Gleyböden, sind, nach Maximilian Waldherr (Forstdirektion Niederbayern-Oberpfalz, Regensburg), Buche und/oder Fichte bei nahezu allen Lichtverhältnissen in der Verjüngungsphase von der Pflanzenzahl und von der Wuchsgeschwindigkeit her der Tanne überlegen.

    Trotzdem etablierte sich die Tanne nach der Eiszeit mit erheblichen Anteilen in ökologisch stabilen Buchenwaldgesellschaften, auch in den wärmebegünstigten Lagen des Buchenoptimums, im Waldmeister- Buchenwald. Grunde hierfür ist die längere Lebensdauer der Tanne im Vergleich zur Buche. Daher benötigt sie weniger Nachkommen. Darüber hinaus fruchtet sie jährlich, während den Buchenmasten bis zu 20-jährige Perioden folgen, in denen es nur manchmal eine Sprengmast gib.

    Den größten Konkurrenzvorteil hat die Tanne im Ausharrungsvermögen unter Schirm als Unter- oder Zwischenständer. Dabei wird (wie auch von der Buche) das Höhenwachstum weitgehend eingestellt und in die breite gewachsen. Die Tanne behält immer ihr monopodiales Wachstum. Bei besseren Lichtverhältnissen nimmt sie das Höhenwachstum wieder auf und wächst weiter als hätte es kein reduziertes Höhenwachstums gegeben, der gleichalte Buchenzwischenstand ist dann längst vergreist und kaum noch wuchsfähig.

    Damit die Tanne in unseren Wäldern wieder Chance hat muss ihr geholfen werden. Im schlagweisen Hochwald, der vor ca. 150 Jahren eingeführt wurde, mit seinen kurzen Umtriebszeiten wird sie auf Dauer nicht überleben. Ungleichaltrige, strukturreiche Wälder mit einem deutlich verlängerten Verjüngungszeitraum in denen Starkholz produziert wird bieten hier eine Alternative.

    Damit sich Tannenverjüngung überhaupt einstellen kann muss i.d.R. der Wildstand auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Die Tannen-Naturverjüngung wird in einem sehr vorsichtigen flächigen Hieb, ohne nennenswerte Auflichtung (kein Femelhieb), aus der Pflege heraus eingeleitet. Die vorhandene vorwachsende und unter- und zwischenständige Tanne ist hierbei auf jedem Fall einzubinden („Überführung“). Die Verjüngung sollte möglichst lange dunkel gehalten werden um die Konkurrenten nicht zu fördern. Für die Nachlichtung sollte primär das Lichtbedürfnis der Tanne ausschlaggebend sein. Dabei ist plötzliches Freistellen der Tannen zu vermeiden, da diese durch einen „Lichtschock“ (Schattennadeln sind nicht an das Licht und die Verdunstung im Freistand angepasst) absterben kann. Es dauert bis zu 12 Jahre bis die Schatten-Nadeln durch Licht-Nadeln ersetzt sind und sich die Tanne erholt hat. Aus den Schirmstellungen sollte später ein Mosaik aus Plenter- und Femelstrukturen entwickelt werden.

    Vermehrungsgut der Weißtanne

    Das Weißtannenvermehrungsgut (Samen und Pflanzen - auch Wildlinge) unterliegt, nach Randolf Schirmer (Bayerisches Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht, Teisendorf), den Bestimmungen des Forstvermehrungsgutgesetzes (FoVG).

    Das bedeutet, dass Vermehrungsgut für den Vertrieb/Handel ausschließlich in zugelassenen Beständen der jeweiligen Herkunftsgebiete, die ähnliche ökologische Bedingungen (Klima, Boden) besitzen, geerntet und nur innerhalb des jeweiligen Herkunftsgebietes wieder gesät oder gepflanzt werden darf. Damit soll verhindert werden, dass es durch nicht optimal an das lokale Klima und den Boden angepasste Tannenherkünfte, zu Schäden oder Wachstumsverlusten kommt. Besonders die Spätfrostgefährdung ist bei Tanne ein genetisch fixierter Herkunftsunterschied. Herkünfte aus Berglagen und kontinental geprägten Klimagebieten neigen auf wärmeren Standorten Süddeutschlands zu Spätfrostschäden.

    Für die Saatguternte anerkannt Bestände müssen mindestens 70 Jahren alt sein, überdurchschnittliche Massenleistung und Gesundheitszustand aufweisen und mindestens 1,0 ha groß sein.

    Die Saatguternte bei Tannen erfolgt witterungsabhängig ab Anfang September, da die Zapfen mit fortschreitender Austrocknung am Baum innerhalb von ca. zwei bis drei Wochen zerfallen und der Samenfall im November abgeschlossen ist. Die Samen enthalten in ihrer Schale Harzblasen mit ätherischen Ölen, die eine Keimung während der noch feucht-warmen Herbstmonate verhindern.

    Die Ernte darf nur unter hoheitlicher Aufsicht erfolgen, damit Herkunftsort und Erntemenge zur Gewährleistung der Herkunftssicherheit im Stammzertifikat amtlich bestätigt werden können. Damit die genetischen Vielfalt des Saatguts erhalten wird müssen im zugelassenen Erntebestand mindestens 20 von 40 ausreichend fruktifizierenden Bäumen beerntet werden.

    In Tannen-Altbeständen hängen ca. 300 Zapfen bzw. 25 - 40 kg Zapfen an einem Baum. Das ergibt Samenerträgen von ca.150 kg/ha. Die Zapfen werden nach der Ernte an der Luft getrocknet bis sie zerfallen. Das Saatgut ist bei -10 °C ca. vier bis fünf Jahre lagerfähig.

    Vor der Aussaat ist eine Stratifikation (1 Tag wässern, sechs bis acht Wochen vor der Aussaat bei +3 °C feucht halten) des Saatgutes zum Abbau der Keimhemmung erforderlich. Aufgrund niedriger Keimprozente und hoher Hohlkornanteile beträgt das Keimprozent bei guter Saatgutqualität nur 35 bis 45 % (ca. 3.000 bis 4.000 Pflanzen/kg Saatgut).

    Tannen werden in der Regel als fünfjährige Pflanzen (2+3) in der Größensortierung 15/30 bzw. 20/40 ausgeliefert, wobei unterschnittene Tannen keine Pfahlwurzel mehr ausbilden und daher nie die Stabilität gesäter oder naturverjüngter Tannen erreicht. Bei Pflanzen ab ca. 50 cm sind verstärkte Ausfälle zu beobachten.

    Überführung in Plenterwald durch früh einsetzende Tannenvorausverjüngung

    Auf Grund ihrer hohen Schattentoleranz eignet sich, nach Dr. Thomas Knoke (Lehrstuhl für Waldbau und Forsteinrichtung, TU München), die Weißtanne hervorragend für die Plenterung. Der Tanne kommt daher auch im Zuge einer Überführung von gleichförmigen, oft von Fichten dominierten Beständen in stufige und ungleichaltrige Waldtypen eine zentrale Rolle zu. Vor diesem Hintergrund wurden betriebswirtschaftliche Konsequenzen einer Überführung mit Tanne mit einer schlagweisen Bewirtschaftung verglichen.

    Die Überführung und Einbringung der Tanne führt zu einer betriebswirtschaftlich lohnenden Kontinuität der Holzproduktion nachdem die Überführung abgeschlossen ist. Es fallen dann kontinuierlich alle 10 Jahre nennenswerte Einnahmen an, während bei schlagweiser Bewirtschaftung über einen längeren Zeitraum kaum Einnahmen anfallen.

    Das Holz der Tanne – Eigenschaften und Verwendung

    Die Tanne (Abies alba) gehört, nach Dr. Dietger Grosser (Institut für Holzforschung, TU München), zu den Reifholzbäumen d.h. Splint- und Kernholz sind farblich nicht unterscheidbar. Das geradfaserige Holz hat eine matte, zumeist gelblichweiße bis fast weiße Färbung und nicht selten einen grauvioletten oder bläulichen Schimmer. Unter Lichteinfluss dunkelt es zu einem gelblichbraunen Alterston nach.

    Die deutlich voneinander abgesetzten Jahrringe gehen fließend vom hellen weißlichen Frühholz zum dunkleren rötlichgelben Spätholz über. Diese Farbunterschied zwischen Frühholz und Spätholz verursachen markante Fladern im Tangentialschnitt bzw. Streifen im Radialschnitt. Harzkanäle und der nadelholztypische Harzgeruch fehlen.

    Holzarten

    Rohdichte (rN) in g/cm³

     

    Mittelwert

    Grenzwert

    Nadelhölzer

    Tanne

    0,47

    0,35 - 0,75

    Fichte

    0,47

    0,33 - 0,68

    Kiefer

    0,52

    0,33 - 0,89

    Lärche

    0,59

    0,44 - 0,85

    Laubhölzer

    Schwarzpappel

    0,45

    0,41 - 0,56

    Eiche

    0,67 - 0,69

    0,43 - 0,96

    Buche

    0,69 - 0,72

    0,54 - 0,91

    Tab.1: Rohdichte der Tanne im Vergleich zu ausgewählten einheimischen Nutzhölzern. Werte nach DIN 68364

    Das Tannen- und Fichtenholz ist selbst für Fachleute nicht immer leicht unterscheidbar. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal sind die auf der Hirnfläche mit der Lupe als kleine helle Punkte erkennbaren Harzkanäle und die ziemlich häufigen Harzgallen der Fichte. I.d.R. hat die Fichte meist gelblicheres, seidig glänzendes Holz. Darüber hinaus stehen die Astquirle der Tanne nahezu waagerecht zur Stammachse, während sie bei der Fichte mehr schräg aufwärts orientiert sind.

    Die Tanne hat relativ häufig einen „normalen“ oder bei geschwächten Tannen einen „pathologischen“ Nasskern. Während normales Kernholz eine Holzfeuchte zwischen 30 und 50% aufweist, kann diese im Nasskern, der von, einen unangenehmen säuerlichen Geruch verursachenden Bakterien besiedelt wird, bis zu 220% betragen. Während der normale Nasskern einheitlich braun gefärbt und annähernd kreisrund ist und im Stammzentrum auf das Kernholz beschränkt bleibt, ufert der „pathologische“ Nasskern unregelmäßig geformt und ungleichmäßig braun bis rotbraun gefärbt auf das Splintholz aus. Beim Trocknen verliert sich der unangenehme Geruch und die dunkle Färbung bleicht weitestgehend aus.

    Das weiche, leichte bis mittelschwere Tannenholz hat eine mittlere Rohdichte (rN) von 0,47 g/cm³, bei 12 bis 15 % Holzfeuchte (Tab.1). Das Holz ist tragkräftig, elastisch und biegsam und weist, dem Rohdichtewert entsprechend, mittlere Bruchfestigkeiten auf (Tab.2). Mit einem mäßigen Volumenschwindmaß von 11,5 bis 11,7 % (Tab. 3) besitzt es nach der Trocknung es ein gutes Stehvermögen und arbeitet weniger als Fichte.

    Tannenholz, das kaum zum Reißen und Verwerfen neigt, lässt sich (ausgenommen Nasskern) rasch und problemlos trocknen. Es sollte, aufgrund der unterschiedlichen Holzfeuchte und Tränkbarkeit, nicht zusammen mit der Fichte getrocknet oder imprägniert werden.

    Holzarten

    Elstizitätsmodul aus Biegeversuch E : N mm²

    Zugfestigkeit längs σ ZB : N/mm²

    Druckfesti g- keit längs σ DB : N/mm2

    Biegefestig- keit σ BB : N/mm2

    Bruchschl ag-Arbeit

    ω kJ/m²

    Binellhärte N/mm²

    längs

    Binellhärte N/mm²

    quer

    Nadelhölzer

    Tanne

    10.000 - 11.000

    80 - 84

    40 - 47

    62 - 73

    42 - 60

    30

    16

    Fichte

    10.000 - 11.000

    80 - 90

    40 - 50

    66 - 78

    46 - 50

    32

    12

    Kiefer

    11.000 - 12.000

    100 - 104

    45 - 55

    80 - 100

    40 - 70

    40

    19

    Lärche

    12.000 - 13.800

    105 - 107

    47 - 55

    93 - 99

    60 - 70

    53

    19

    Laubhölzer

    Schwarzpappel

    8.800

    77

    30 - 35

    55 - 56

    50

    30

    10

    Eiche

    11.700 - 13.000

    90 - 110

    52 - 65

    88 - 95

    60 - 75

    64 - 66

    34 - 41

    Buche

    14.000 - 16.000

    135

    53 - 62

    105 - 123

    100

    72

    34

    Tab. 2: Elastizität, Festigkeit und Härte von Tanne im Vergleich zu ausgewählten einheimischen Nutzhölzern

    Das Holz lässt sich mit allen Werkzeugen ohne nennenswerte Schwierigkeiten bearbeiten. Es lässt sich gut sägen, hobeln, profilieren, bohren und schleifen, mühelos nageln und schrauben, problemlos verleimen sowie leicht, gerade und lang spalten. Wegen seiner Harzfreiheit ist Tannenholz leicht anzustreichen. Das Splintholz ist gut, das Kernholz nur mäßig imprägnierbar. Zu beachten ist, dass Nasskernholz gegenüber normal verkerntem Holz mehr Flüssigkeit aufnimmt, was bei der Imprägnierung, Oberflächenbehandlung und Verleimung berücksichtigt werden muss.

    Holzarten

    Schwindmaß vom frischen bis zum gedarrten Zustand bezogen auf die Abmessungen im frischen Zustand in %

    Differentielles Schwind-/ Quellmaß in % je 1% Holzfeuchte- änderung im Bereich von u=5% bis u=20%

     

    βl

    βr

    βt

    βV

    radial

    tangential

    t/r

    Nadelhölzer

    Tanne

    0,1

    3,8

    7,6

    11,5 - 11,7

    0,14 - 0,19

    0,28 - 0,36

    2,0

    Fichte

    0,3

    3,6

    7,8

    11,9 - 12,0

    0,19

    0,39

    2,1

    Kiefer

    0,4

    4,0

    7,7

    12,1 - 12,4

    0,19

    0,36

    1,9

    Lärche

    0,3

    3,3

    7,8

    11,4 - 11,8

    0,14

    0,30

    2,1

    Laubhölzer

    Schwarzpappe l

    0,3

    5,2

    8,3

    13,8 - 14,3

    0,13

    0,31

    2,4

    Eiche

    0,4

    4,0 - 4,6

    7,8 - 10,0

    12,6 - 15,6

    0,16

    0,36

    2,2

    Buche

    0,3

    5,8

    11,8

    17,5 - 17,9

    0,20

    0,41

    2,1

    Tab. 3: Schwindmaße von Tanne im Vergleich zu ausgewählten einheimischen Nutzhölzern.

    Der Witterung ausgesetzt ist Tannenholz, außerhalb von Wasser, nur wenig dauerhaft (Dauerhaftigkeitsklasse 4) und muss im Außenbereich durch baulich-konstruktiven Maßnahmen oder Holzschutzmittel geschützt werden. Ständige oder wechselnde Feuchte verträgt sie deutlicher besser als Fichte.

    Vom Handel wird Tanne vornehmlich als Rund- und Schnittholz, seltener auch als Furnier (gemessert und geschält) angeboten.

    Im Möbelbau dient die Tanne v.a. als Blindholz und zur Herstellung von einfachen aber auch höherwertigen Möbeln des täglichen Bedarfs, sowie von Fußböden (z.B. Schiffs-Riemenböden), Türen, Fenstern, Decken- und Wandbekleidungen oft in Verbindung mit deckenden Anstrichen oder Farblasuren. Im Hochbau hat sie sich als Bau- und Konstruktionsholz, als Holzleimbauelemente und im Außenbereich als imprägniertes Tannen-Brettschichtholz im Brückenbau und für andere Konstruktionen bewährt. Sie wird zur Herstellung von Verpackungsmaterial (Kisten, Paletten, Holzwolle), Schiffsmasten, Telegrafenstangen, Pfählen und im Musikinstrumentenbau für Resonanzböden und Orgelpfeifen verwendet. Schließlich eignet sich Tanne für die Herstellung von Holzwerkstoffen (Blindholz für Furnierplatten, Mittellagen von Tischlerplatten; Massivholz-, Span-, Faser- und Holzwolleleichtbauplatten) sowie für die Zellstoff- und Papiergewinnung. Auch bei der Entwicklung neuer Hightech- Produkte, wie Thermoholz oder Superlamellen hat sich die Tanne bewährt.

    Wegen ihrer leichten Spaltbarkeit wird die Tanne bevorzugt zur Anfertigung von Spaltwaren, wie Spankörbe, Käseschachteln oder gespaltenen Schindeln (Tannenschindeln halten etwa doppelt solange wie Fichtenschindeln) verwendet.

    Tannenholz wird wegen seiner Harzfreiheit und seiner Beständigkeit gegen Säuren und Alkalien im Saunabau und zur Behälterherstellung für die chemische Industrie verwendet. Wegen der guten Dauerhaftigkeit unter Wasser und ihrer guten Imprägnierbarkeit wird sie auch im Erd- und Wasserbau für Pfählungen, Roste, Duckdalben, Stauwehre, Schleusen, Wasserradschaufeln, Brunnenleitungen und ähnliche Konstruktionen eingesetzt.

    Früher gehörte die Tanne zu den bevorzugten Holzarten für tragendes Gebälk, wie  das Freiburger Münster und die gotische Martinskirche in Landshut bezeugen, deren wesentliche Tragwerke über den Kirchenschiffen aus Tannenholz bestehen.

    Ab dem 12. Jahrhundert bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden Tannenholz aus Deutschland als „Holländerholz“ in Flößen nach Holland transportiert, wo es vornehmlich im Schiffbau und als Rammpfähle eingesetzt wurde. Das historische Amsterdam steht im Wesentlichen auf Pfahlgründungen aus Eiche, Erle und Tanne.

    Auch Tannen-Giganten brauchen Marketing

    Die Tanne genießt, laut Dr. Michael Lutze (Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising),  bei vielen Holzkäufern trotz ihres hervorragenden Holzes eine geringe Wertschätzung.

    Die Tanne muss daher, als eigenständige Holzart, mit einem entsprechenden Marketing am Markt auftreten. Damit die Marketing-Bemühungen erfolgreich sind muss die Ware bzw. das Produkt qualitativ hochwertig und einwandfrei sein und ggf. mit den besonderen Verwendungsmöglichkeiten des Holzes geworben werden. Wichtig ist es hierbei auch, dass die qualitativ hochwertigen Produkte auf Messen und Werbeveranstaltungen vorgeführt und Architekten, Möbelbauer und Zimmerer u.a. durch Infobroschüre aufgeklärt werden.

    Wegen des ausgeprägten Käufermarktes und sinkender Gewinnmargen muss zunehmend ins Marketing investieren werden.

    Tierökologische Bedeutung der Weißtanne

    Die Weißtanne spielt, laut Jörg Müller und Martin Goßner (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising), aufgrund ihrer großen ökologischen Amplitude, vom trockenwarmen Italien, über die Mittelgebirge bis in die hochmontanen Lagen der Gebirge und ihrem Vorkommen in den unterschiedlichsten Waldgesellschaften Mitteleuropas aus tierökologischer Sicht eine besondere Rolle unter den Nadelbäumen.

    Es sind nur wenige Arten ausschließlich auf Tanne spezialisiert. Zehn Großschmetterlinge und 25 Käferarten leben bevorzug an Weißtanne, darunter der Nachtschmetterling Thera vetustata aus der Familie der Spanner oder der monophag an der Tanne lebende Tannen-Glasflügler (Synanthedon cephiformis), dessen Larven sich am Tannenkrebs entwickeln. An kränkelnden und abgestorbenen Alttannen leben der farbenprächtige Prachtkäfer (Eurythyrea austriaca), der mit dem Zimmermannsbock verwandte (Acanthocinus reticulates) und die Tannenborkenkäfer (Pityokteines curvidens, P. spinidens und P. vorontzowi) mit ihren charakteristischen Brutbildern.

    Für alle Arten, die an Laub- und Nadelgehölzen leben, ist die Tanne das natürliche Bindeglied. Das Sommergoldhähnchen siedelt beispielsweise gerade in Buchen-Tannenwäldern in hohen Dichten. Im Bergmischwald leben unter der verpilzten Rinde von Buche und Tanne die Jagdkäfer Peltis grossa und Thymalus limbatus und an kränkelnden Eichen und Tannen lebt der Zweigbock (Pogonocherus ovatus).

    Die Tanne und ihre Welt der Pilze

    Die Tanne hat, laut Markus Blaschke (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising), viele Pilzerkrankungen. Sie reichen, um nur einige zu nennen, von so bekannten Erkrankung wie dem Hexenbesen („Rädertannen“), dessen Erreger Melampsorella caryophyllacerarum, in der Krone ringförmige Stammwucherungen verursacht, über den Tannennadelrost Pucciniastrum epilobii, mit dem Weidenröschen als Nebenwirt, der an den pergamentartigen Hüllen der Fruchtkörper auf den Nadeln zu erkennen ist, der Tannennadelbräune (Herpotrichia parasitica) mit ihrem Zweige und Nadeln überziehenden fahlbraunen Pilzgeflecht, dem Tannennadelritzenschorf (Lirula nervisequia) mit seinen länglichen, sich über die ganze Nadel ausbreitenden schwarzen Fruchtkörpern und der erst vor wenigen Jahren bekannt gewordenen Kabatina-Nadelbräune (Kabatina abietis) (Tab. 4) bei der befallene Nadeln zunächst noch die Basis und die Spitze grün bleiben über die Universalisten wie der Grauschimmelfäule Botrytis cinerea, bis zu dem Hallimasch Armillaria sp. und dem Wurzelschwamm Heterobasidion annosum die zum Tod der Tanne führen können.

    Name

    Tannennadelrost

    Tannennadelritzenschorf

    Herpotrichia-Nadelbräune

    Kabatina-Nadelbräune

     

    Wissenschaftliche Bezeichnung

    Pucciniastrum epilobii (Pers.) Otth.

    Lirula nervisequia (DC.) Darker

    Herpotrichia parasitica (R. Hartig) E. Rostrup

    Kabatina abietis Butin & Pehl

     

    Wirtswechselnder Rostpilz Nebenwirt: Weidenröschen

    Schlauchpilz

    Schlauchpilz

    Fungi imperfecti

    Erkennungsmerkmale

    Pergamentartige Hüllen auf den Nadeln Orange Sporen Fahle gelb-grüne Verfärbung der Nadeln

    Braunverfärbung der Nadeln Lange schwarze Fruchtkörper

    Feines braunes Myzel umspinnt Nadeln und Triebe

    Braune Bänder auf den Nadeln (Spitze und Basis bleiben zunächst grün) mit kleinen schwarzen Fruchtkörpern.

    Tab. 4: Die wichtigsten pathogenen Nadelpilze der Tanne im Vergleich

    Der Tod der Tanne wird häufig vom Tannen-Feuerschwamm (Phellinus hartigii), der bis zu 20 Meter am Stamm hinauf mit seinen dunkelbraunen bis 35 cm breiten, mehrjährigen, sehr harten Konsolen zu finden ist und dessen Fruchtkörper bis zur Optimalphase der Zersetzung lebendig bleiben, eingeleitet.

    Die Holzzersetzung wird oft von Orangegelbe Mehlscheibe (Aleurodiscus amorphus; Rindenpilz) oder dem kleinen, gestielten Wollbecherling (Trichoscyphella calycina) eingeleitet.

    In der Optimalphase findet man neben vielen Universalisten auch spezifische Besiedler der Tanne, wie den Tannen-Schichtpilz (Amylostereum chailletii), der an Astseiten mit seinen ockerfarbenen bis grauen Hüten auffällt, den Rotrandigen Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), ein wichtiger holzabbauender Braunfäuleerreger der zum typischen Würfelbruch mit seinen quer- und längsrissen führt, dem auch an Buche wachsenden Weißfäuleerreger dem Flachen Lackporling (Ganoderma applanatum), und dem an stärkerem Totholz vorkommende wunderschöne Tannenstachelbart (Hericium flagellum) mit seinen hunderten kleinen Zähnchen, die an winzige Eiszapfen erinnern.

    Von den Porlingen sind in der finalen Phase der Holzzersetzung noch der Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum) und der Nördliche Harzporling (Ischnoderma resinosum) beteiligt und im stärker verrottetem Holz ist auch der an verschiedenen Laubbäumen vorkommende Braunfäuleerreger der Wilde Hausschwamm Serpula hymantoides zu finden.

    Es gibt nur wenige auf die Tanne fixierte Mykorrhizapilze, der bekannteste ist der von Pilzsammlern bekannte Lachsreizker (Lactarius salmonicolor). Darüber hinaus findet man auf Kalkstandorten an der Tanne den Weißtannenrißpilz (Inocybe queletii) mit seinem risspilz-artigen faserigen Hut und knolligen weißen Stiel, den zitronengelben Grubigen Weißtannenmilchling (Lactarius intermedius) mit flaumig filzigen Rand und gelb verfärbender Milch und den nach Terpentin stinkende Weißtannenschneckling Hygrophorus pudorinus der im feuchten Zustand einen schleimigen Hut besitzt.

    Arzneiliche Anmerkungen zur Tanne

    Bei der Bezeichnung der Bäume im Volksmund, wie auch in der Volksheilkunde wurde nicht immer zwischen Tanne, Fichte und Kiefer unterschieden. Tannen- und Fichtenadeln haben eine ähnliche Heilwirkung und wurden gleichartig verwendet.

    Laut Norbert Lagoni (Robugen GmbH, Esslingen) wurde bereits in der Antike „Tannenharz“, Abies soll von abities (die Weiße) abgeleitet sein, als Heilmittel verwendet, wie das “Corpus Hyppocraticum” von Hyppokrates von Kos 460 - 377 v.Chr. und die „De Materia Medica” von Pedanios Dioskurides (41 - 80 n. Chr.) zeigen.

    Im Mittelalter galt, für die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 - 1179), die Tanne und Fichte als Sinnbild der Kraft. Sie beschrieb den belebenden Geruch der Nadeln und die Heilwirkungen des Tannenharzes, das zur Wundheilung, Durchblutungsförderung, als Rheumasalbe oder gekaut zur Festigung des Zahnfleisches und zum Schutz vor Zahnverfall verwendet wurde.

    Anwendungsformen und -gebiete der Drogen aus Weißtanne

    Äußere Anwendung

    Einreibung („Franzbranntwein“), Badezusatz, Erkältungsbalsam

    Katarrhe oberer Luftwege Atemwegsbeschwerden (Bronchitis), Rheumatismus, neuralgische Schmerzen, Muskelverspannungen

    Gegenanzeige - äußere Anwendung

     

    größere Hautverletzungen, offene Wunden, fieberhafte Infekte

    Innere Anwendung

    Inhalat, Tee (Dekokt, Infus), Lösung

    Katarrhe der Atemwege, Harnwegsbeschwerden, neuralgische Beschwerden

    Gegenanzeige - innere Anwendung

     

    Keuchhusten, Bronchialasthma

    Kosmetische Anwendung

    Duftessenz, Deodorant, Bade- und Seifenzusatz

     

    Im 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts wurden Aufgüsse („Tannenbier“) zur Heilung von Skorbut („Scharbock“), einer Vitamin-C-Mangelerkrankung, eingesetzt. Der Pfarrer und Naturarzt Anton Sebastian Kneipp (1821 - 1897)  empfahl Tannentee aus frischen Trieben bei Husten und Verschleimung, zur Stärkung der Nerven bei Nervosität und Unruhe, sowie Bäder aus aufgekochten Tannenzweige bei Erkältung, Blasenentzündung und Ausfluss und einen Tee aus grünen Tannenzapfen, um Stimmbänder geschmeidig zu halten.

    Tannennadeln, junge Triebe, Samen und das Harz der Harzblasen sind reich an ätherischen Ölen. Als Hauptbestandteile lassen sich Monoterpene nachweisen. Weiterhin finden sich Provitamin A, Vitamin C, verschiedene Zucker sowie Kaffee- und Chlorogensäure, Cumarin und Flavanole.

    Tannen- und Fichtenextrakte wirken schleimlösend und schwach antiseptisch. Sie werden innerlich bei Katarrhen der Luftwege verabreicht. Äußerlich angewandt, lindert Einreiben leichte Muskel- und Nervenschmerzen, Bindegewebsentzündungen, Muskelkater, Zerrungen und Blutergüssen. In der Kosmetikherstellung dienen ätherische Öle als Tannenduftessenzen in Seifen, Badezusätzen und Körperpflegemitteln.

    Tanne, Waldumbau und Jagd

    Die Tanne ist, nach Dr. Georg Meister (ehem. Leiter des Nationalparks Berchtesgaden), eine der stabilsten Baumarten unserer heimischen Wälder. Sie ist gegenüber biotischen und abiotischen Gefährdungen relativ unempfindlich und hat den höchsten Zuwachs aller heimischen Baumarten. In Anbetracht der gegenwärtigen Klimaerwärmung mit all ihren Folgen wie Trockenheit und Unwetterhäufung sind gestufte Mischwälder mit hohem Tannenanteil viel besser geeignet, Wohlfahrtswirkungen und Ertragsfunktion des Waldes sicherzustellen.

    In der „ursprünglichen“ Heimat der Tanne, den dunklen Urwäldern Mitteleuropas, gab es nur wenig Nahrung und Deckung für das Wild. Rehe konnten nur in größeren, lichtdurchfluteten „Störungsinseln“ überleben. Dort und auf der Suche nach neuen „Lichtinseln“ wurden sie eine leichte Beute für Luchs und Wolf.

    Abb. 6. Visuelle Gegenüberstellung des Tannenanteils in der ersten Altersklasse und der Höhe des Rehwildabschusses während der letzten 150 Jahren

    Die Kombination von zunehmender Landwirtschaft mit sehr nahrhaften Feldfrüchten, schlagweisem Hochwald und falsch verstandener Hege vieler „Jäger“ führte zu einer Explosion des Rehwildbestandes und damit zum dramatischen Rückgang der Tanne, sich wegen des enormen Verbissdrucks kaum noch verjüngte (Abb. 6). (Anm.: Verstärkt wurde der Tannenrückgang in Bayern durch eine jahrzehntelange tannenfeindliche Forst- und Jagdpolitik - es wurde vieles getan um die Tanne nicht pflanzen zu müssen.)

    Um wieder stabile, der Klimaerwärmung angepasste Wälder zu bekommen ist ein gezieltes Waldumbauprogramm notwendig, in dem die Tanne eine entschiedene Rolle spielen muss.

    Darüber hinaus muss neben der konsequenten Fortführung der Luftschadstoffreduktion v.a. die Schalenwildbestände soweit reduziert werden, dass Tannenverjüngung ohne besondere Schutzmaßnahmen gesichert ist. Dabei dürfen sich die Rehwild-Abschusspläne ausschließlich am gesicherten Aufwachsen der natürlichen Waldvegetation orientieren. Hierfür muss auch das Fütterungsverbot des Jagdgesetztes außerhalb von Notzeiten (die wir bei den milden Wintern in Mitteleuropa nicht haben - Ausnahmen Rotwild im Hochgebirge) konsequent durchgesetzt und verfolgt werden.

    Die Mythen und der Volksglaube

    Schon in vorchristlicher Zeit wurde, nach Bodo Rittershofer (Forst-Sachverständiger), zur Wintersonnenwende einen Tannenbaum aufgestellt, denn die Tanne galt bis ins Mittelalter als ein Baum von außergewöhnlicher magischer Kraft und als Sinnbild der Stärke und der Hoffnung. Im Jahr 1539 soll dann der erste christliche Weihnachtsbaum im Straßburger Münster aufgestellt worden sein. Diese Sitte verbreitete sich erst 1870 in Mitteleuropa und von dort  die Globus.

    In dem Märchen „Das kalte Herz“ (1825) beschreibt Wilhelm Hauff den durch den Holzhandel (mit Holland) verursachten Wertewandel im Schwarzwald, der die traditionelle Wirtschaftsstruktur und das menschliche Miteinander gefährdete.

     

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