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aktualisiert 10.05.2011

Forst-Sachverständigenbüro Rittershofer

 

Speierling
(Sorbus domestica)

Der Speierling - Fränkische Platte, Steigerwald und Taubertal,
die „Weltzentren“ des Speierling-Vorkommens

Der Speierling, “Baum des Jahres 1993”, ist seither eine großkronige, dekorative Baumart, die sich für innerörtliche Bepflanzungeneignet, als Begleiter von Streuobstbeständen und Waldrändern und in kleinen Gruppen gepflanzt, auch zur Aufforstung in artenreichen Laubwäldern eignet.

Der Speierling, der im Wald eine Höhe von 35 Metern, einen Durchmesser in Brusthöhe von bis zu 140 cm und ein Alter von 400 Jahren erreichen kann, hat im Freistand nur eine Höhe von ca. 20 Metern und entwickelt eine weit ausladende Krone mit tief angesetzten weit ausladenden Ästen. Die Kronen können oft breiter als hoch werden. Er hat kleine apfel- oder birnenförmige Früchte und Blätter die der Vogelbeere, mit der er verwandt ist, sehr ähnlich sind.

Der Speierling ist aufgrund seines extrem hohen Lichtbedürfnisses, in der heutigen Forstwirtschaft nur noch an den Waldrändern konkurrenzfähig. Der Baum, dessen Äste schon bei geringstem Seitendruck durch Nachbarbäume absterben, hatte seine Blütezeit in Zeiten der Mittelwaldwirtschaft. Hier wurde turnusmäßig das ganze Unterholz als Brennholz eingeschlagen. Die verbleibenden Bäume hatten viel abstand voneinander und konnten große kugelige Kronen bilden.

Der Speierling gehört, mit der ebenfalls verwandten Elsbeere, zu der er wegen des geringen Holzaufkommens im Holzhandel hinzugeschlagen wird, zur Zeit zu den bestbezahlten Hölzern unserer Wälder. Der Speierling, die Wildbirne und der Wildapfel werden nur in Ausnahmefällen geerntet, denn für diese Baumarten gibt es in Deutschland keinen Markt. Das wenige angebotene Holz, zu dem auch noch die Elsbeere gehört, wird gemeinsam unter dem Holzhandelsnamen Schweizer Birnbaum angeboten.

Das feinfaserige, harte und schwere Kernholz des Speierlings variiert zwischen einem hellen und einem dunklen Rotbraun, das unter Lichteinfluß nachdunkeln kann. Früher wurde das Holz für Gewindespindeln der Weinpressen und Zahnradkämme und Wellen bei Mahlwerken von Mühlen verwendet. Auch als Holz der Lineale dürfte es der älteren Generation unter uns nicht unbekannt sein. Heute findet der Speierling vor allem in der Möbelindustrie seine Abnehmer. Als Furnier oder als Massivholz ist er vor allem von Kunsttischlern für die Anfertigung von anspruchsvollen Einzelmöbelstücken und von Musikinstrumentenbauern für Dudelsackpfeifen gesucht.

Genutzt wird aber auch die birnenähnliche Frucht des Speierlings. Aus Ihr werden Brände und Liköre aber auch Kompott hergestellt. Dem Apfelwein wird der Speierling beigefügt, damit dieser haltbarer wird und einen kräftigen Geschmack bekommt.

Laut Geschäftsführer des Förderkreises Speierling, Professor Wedig Kausch-Blecken von Schmeling, sind die Fränkische Platte mit dem  Steigerwald sowie das Taubertal die „Weltzentren“ des Speierling-Vorkommens. In Frankreich gibt es zwar mehr Speierlinge, aber nicht in dieser Dichte und auch nicht in diesen Stärke und diesem Alter.

Aufgrund des unermüdlichen Einsatzes von Karl Schottdorf, dem ehemaligen Amtsleiter des Forstamtes Uffenheim, für den Naturschutz und die seltenen Wildobstarten, blieben in den Wäldern des Forstamtes Uffenheim außergewöhnlich viele Wildobstgehölze erhalten, die hier auf den schweren Böden optimale Wuchsbedingungen vorfinden. Im Wald des Forstamtes findet man noch rund 400 Wildäpfel, 600 Speierlinge, 1.500 Wildbirnen, und jeweils 50.000 Elsbeeren und Kirschbäume. In den Wäldern der fränkischen Platte und auch anderswo wird der Speierling ebenso wie andere Wildobstarten wieder vermehrt angepflanzt.

 

 

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