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aktualisiert 10.05.2011

Forst-Sachverständigenbüro Rittershofer

 

Schwarz-Erle
(Alnus glutinosa)

Die Schwarz-Erle -
Charakterart der am stärksten gefährdeten Waldgesellschaft Mitteleuropas

Keine einheimische Baumart ist besser in der Lage, auf nassen Standorten zu gedeihen und die Ufer der Gewässer zu sichern, als die Schwarz-Erle, regional auch Rot-Erle genannt. Um möglichst umfassende Informationen über Biologie, Ansprüche und Vorkommen dieses Baumes, sowie über die Eigenschaften und Verarbeitung seines Holzes und seine kulturelle, mystische und pharmakologische Bedeutung zu erhalten, lud die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zu einer Fachtagung nach Rott am Inn (Lkr. Rosenheim) ein.

In früheren Jahrhunderten bedeckten ausgedehnte Erlenwälder weite Teile Deutschlands. Rodung, Grundwasserabsenkung und Begradigung von Flussläufen haben den Beständen sehr zugesetzt. Oft verblieb an vielen, insbesondere an kleineren Fließgewässern nur noch eine Gehölzreihe direkt am Ufer oder im günstigsten Fall ein Gehölzsaum als Uferstreifen. Durch die ausbaubedingt trockener werdenden Standorte wird sie zunehmend von anderen konkurrenzkräftigeren Baumarten verdrängt. Hochwasser-Katastrophen rücken aber die Auenbereiche, und damit die Erle als eine ihrer bedeutenden Baumarten, immer wieder in den Mittelpunkt einer weitsichtigen Landes- und Bauplanung sowie des öffentlichen Interesses.

Systematik

Es gibt, nach Dr. Gregor Aas (Ökologisch-Botanischer Garten der Universität Bayreuth), weltweit etwa 30 verschiedene Erlenarten. Die Erlen (Alnus) gehören zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Ihre Gattung wird nach Knospen-, Blüten- und Laubblattmerkmalen in drei oder vier Gruppen unterteilt, die als Sektionen, Untergattungen oder als Gattungen geführt werden. Die Grünerle, die viele Merkmale mit den Birken (Betula) gemeinsam hat, wird von einigen Autoren als eigene Gattung Duschekia (syn.: Alnobetula) abgetrennt und synonym unter den wissenschaftlichen Namen Duschekia alnobetula und Betula viridis geführt.

Erlen (Alnus) sind sommergrüne Gehölze mit wechselständigen, einfachen Blättern. Während bei der Schwarz- und Grauerle die Blütenstände beiderlei Geschlechtes nackt überwintern, erscheinen die weiblichen Kätzchen der Grünerle im Frühjahr aus Knospen. Die Blüten (Kätzchen) sind eingeschlechtigen, einhäusig und windbestäubend. Die Vor- und Tragblätter der weiblichen Teilblütenstände (Dichasien) bleiben bei der Samenreife erhalten und entwickeln sich bei Erle zu den verholzten Schuppen der zapfenähnlichen Fruchtstände (Fruchtzäpfchen), die bei der Samenreife nicht zerfallen. Die kleinen geflügelten Samen werden v.a. durch Wind verbreitet (anemochor).

Erlen sind zirkumpolar auf der Nordhalbkugel der Erde verbreitet. Das Areal der Gattung reicht von den Subtropen der Nordhemisphäre bis in die boreale (subarktische) Florenzone. Abweichend vom sonstigen Areal dringt Alnus in den Gebirgen Südamerikas weit in tropische und subtropische Gebiete südlich des Äquators vor.

Untergattung

Merkmale

Arten

Subgenus Alnus

Knospen gestielt, mit 2 Schuppen; Blüte vor dem Laubaustrieb; ♀Blütenstände erscheinen im Sommer und überwintern nackt, Früchte kaum geflügelt

Schwarz-Erle (Alnus glutinosa)
 

Grauerle (Alnus incana)

Subgenus Alnaster

(=Genus Duschekia)

Knospen sitzend, mit 3-6 Schuppen; Blüte mit dem Laubaustrieb; ♀Blütenstände überwintern in der Knospe

Grünerle (Alnus viridis)

Tab.1: Die drei einheimischen Erlenarten gehören zu zwei verschiedenen Untergattungen der Gattung Alnus.

Die einheimischen Erlen Alnus glutinosa (Schwarz- bzw. Rot-Erle), A. incana (Grau- bzw. Weiß-Erle) und A. viridis (Grün-Erle) sind trotz einer großen morphologischen Variabilität gut unterscheidbar. Hybriden kommen, wenn überhaupt, nur zwischen A. glutinosa und A. incana vor. Verlässt man den mitteleuropäischen bzw. europäischen Raum, so gibt es vor allem bei Grau- und Grünerle taxonomisch Schwierigkeiten, da beide in Asien und Nordamerika nahe Verwandte haben, deren Abgrenzung strittig ist. Es ist anzunehmen, dass Grau- und Grünerle zirkumpolar verbreitet sind.

 

Schwarz-Erle

Grau-Erle

Grün-Erle

Synonym

Rot-Erle

Weiß-Erle

 

Habitus

Großer, bis 40 m hoher Baum mit pyramidaler Krone und bis zum Wipfel durchgehender Stamm

Mittelgroßer, bis 25 m hoher, meist mehrstämmiger Baum oder großer Strauch

Bis 3 m hoher Strauch

Rinde

Früher Bildung einer dunklen Schuppenborke

Silbergrau und glatt, keine Borke

 Ältere Stämme mit schwärzlicher Borke

Winterzweige

Knospen gestielt, verkehrt eiförmig, wie die Triebe ± kahl

Knospen gestielt, verkehrt eiförmig, wie die Triebe fein behaart

Knospen ungestielt, spitz, wie die Triebe kahl

 

Laubblätter

Breit-oval, vorne abgerundet oder ausgerandet (nie spitz!), 5-8 Paar Seitennerven, kahl bis auf unterseitige Achselbärte

Oval und vorne spitz, 8-14 Paar Seitennerven, unterseits graugrün behaart

Ähnlich Grauerle, aber unterseits hellgrün und bis auf die Achselbärte kahl

Früchte

Mit schmalen, luftgefüllten Schwimmpolstern; Zäpfchen deutlich gestielt

Seitlich mit schmalen Flügeln; Zäpfchen sitzend oder kurz gestielt

Mit breiten häutigen Flügeln, wie die Birke

Standorte

Tieflagen bis mittlere Berglage, v.a. Silikatgebiete, Auen- und Bruchwälder entlang von Bächen

Auwälder und -gebüsche von Gebirgsbächen und –flüssen, v.a. Kalkgebiete

Subalpines und hochmontanes Krummholz

* Abbildungen aus: HESS et al., 1976: Flora der Schweiz, Birkhäuser

Alnus glutinosa ist eine eurosibirische Pflanze, die in fast ganz Europa, nördlich bis zum Polarkreis und östlich bis ins südliche Obgebiet, im Kaukasus, in Kleinasien und in Nordafrika verbreitet ist. Die Hauptvorkommen liegen in den Tieflagen und im Hügelland, in den Nordalpen steigt sie bis rund 1000 m, in den Zentralalpen sogar bis 1800 m

Abb. 1: Verbreitungsgebiet der Schwarz-Erle

Die Schwarz-Erle ist eine Pionierbaumart mit hohem Lichtbedarf, raschem Jugendwachstum und einer Lebenserwartung von bis zu 150 Jahren. Bis ins höhere Alter sind freies Längenwachstum der Triebe und sylleptische Verzweigung möglich. Sie weist ein gutes Stockausschlagvermögen auf, und bildet, im Unterschied zur Grauerle, aber keine Wurzelbrut.

Keine einheimische Baumart wächst besser auf nassen Standorten als die Schwarz-Erle. Sie wächst vor allem entlang von Flüssen und an Ufern von Bächen und Seen auf sicker- und staunassen, auch zeitweise überfluteten, nährstoffreichen und meist kalkarmen, humosen Sand-, Ton- oder Torfböden und bildet Reinbestände in Bruchwäldern auf torfigen, durch hoch anstehendes Grundwasser dauernd nassen Böden.

Intakte Erlenbrüche sind in Folge Entwässerung selten geworden und gelten als die am stärksten gefährdete Waldgesellschaft Mitteleuropas.

Die Wurzel

Dem sehr tief gehenden Herzwurzelsystem der Schwarz-Erlen, das auch dichte, wasserstauende Bodenschichten gut durchdringen kann, fehlen, nach Dr. Gregor Aas (Ökologisch-Botanischer Garten der Universität Bayreuth), die Starkwurzeln. Die Hauptmasse der Wurzeln hat einen Durchmesser von weniger als 3 cm, trotzdem gilt die Erle als sehr standfest. Die Horizontalwurzeln nahe an der Bodenoberfläche dienen vornehmlich der Aufnahme von Mineralstoffen, während die tief in den Boden vordringenden Senker, sowohl der Verankerung des Baumes als auch der Wasserversorgung bei extrem niedrigen Wasserständen dienen. Feinwurzeln, Mykorrhizen und Wurzelknöllchen (s.u.) befinden sich vor allem an den Horiziontalwurzeln nahe der Bodenoberfläche.

Bei Überflutung und in wassergesättigten, anaeroben (sauerstofflosen) Schichten versorgen die Erlen ihre Wurzeln mit Sauerstoff. Dabei wird die Luft, die über die auffallend großen Lentizellen am unteren Stamm und am Wurzelhals in das Gewebe eintritt über Interzellularen im Holz (Aerenchyme) bis in die Spitzen der Wurzeln geleitet.

Erlen können aufgrund ihrer Symbiose mit Bakterien aus der Gruppe der Actinomyceten (Strahlenpilze der Gattung Frankia) den Stickstoff aus der Atmosphäre zu nutzen und  dadurch, trotz ihrer hohen Nährstoffansprüche, stickstoffarme Standorte besiedeln. Auf das Eindringen des Symbiosepartners (Bakterien) über die Feinwurzeln, reagiert die Pflanze mit Gewebewucherungen um diesen zu isolieren. Die in den hierbei entstehenden, bis zu apfelgroßen Wurzelknöllchen (Rhizothamnien) eingekapselten Bakterien produzieren mit den Kohlenhydraten ihres Wirtes und dem Stickstoff der Luft Aminosäuren und Eiweiße, die der Erle zur Verfügung stehen.

Der Umfang der Symbiose ist vom Stickstoffgehalt des Bodens abhängig. Auf stickstoffarmen Standorten werden erheblich mehr Wurzelknöllchen gebildet und Stickstoff gebunden als auf nährstoffreichen Substraten. Über die Schwarz-Erlen-Blätter, mit bis zu 3% Stickstoffanteil an der Trockensubstanz, gelangt Stickstoff in den Boden, in intakten Erlenbruchwäldern bis über 70 kg pro Jahr und Hektar.

Zum Vermehrungsgut der Roterle

Nach Randolf Schirmer (Bayerisches Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht, Teisendorf) verfügen Roterlenpopulationen über eine ausgeprägte genetische Variation zwischen den Herkünften und auch innerhalb von Populationen. Die genetische Diversität von Erntebeständen entspricht den Werten von Fichten- und Kiefernpopulationen und ist höher als bei Tanne und Lärche. Dabei sind viele forstlich bedeutsamen Eigenschaften genetisch beeinflusst (Tab. 2).

Eigenschaft

Bedeutung

Länge der Vegetationsperiode

Zeitpunkt Laubaustrieb/-abwurf beeinflusst Schneebruchgefährdung

Fruktifikationsverhalten

Frühfruktifikation (5 - 10 jährig), z.T. einhergehend mit Kümmerwuchs; erhöhte Schneebruchgefährdung

Wuchsleistung

Tieflagenherkünfte raschwüchsiger als Hochlagenherkünfte

Wurzelentwicklung

Herkünfte von Bruchwaldstandorten (hoher, langanhaltender Wasserstand) bilden Wurzeln mit großer Wurzelmasse aus (v.a. norddt. Herkünfte). Herkünfte von Auwald- bzw. Bachstandorten (starker Wasserzug, kurzzeitige Überschwemmungen) sind durch geringe Wurzelmasse, aber kräftige Wurzeln gekennzeichnet (süddt. Herkünfte).

Frosthärte

Anwuchsverhalten, Wuchsgeschwindigkeit in der Jugend

Tab. 2: Genetisch beeinflusste Eigenschaften bei Rot-Erle

Rot-Erlen-Saatgut für den Vertrieb darf nur in, nach dem Forstvermehrungsgutgesetz zugelassenen Beständen geerntet werden, die ein Mindestalter von 40 Jahren und eine Mindestfläche von 0,50 ha haben müssen. Der Erntebestand muss überdurchschnittlich wipfelschäftig, gesund und geradschaftig sein. Zum Erhalt der genetischen Vielfalt müssen mindestens 20 von 40 ausreichend fruktifizierenden Erntebäumen an einem Standort beerntet werden. Eine Ernte von Saatgut lohnt sich nur, wenn bei Zapfenschnitten ca. 10 volle Körner/Schnittfläche gefunden werden. Bei Vollmasten können Ernteerträgen von ca. 20 kg/ha erreicht werden. Im Durchschnitt werden in Deutschland jährlich ca. 6.800 kg Erlenzäpfchen geerntet und daraus ca. 540 kg reines Saatgut gewonnen.

Für die Saatgutaufbereitung der Erlenzäpfchen zunächst in der Klenge getrocknet. Das Zäpfchen mit dem stark anhaftenden Saatgut wird gemahlen, gereinigt. Die Saatgutlagerung ist bei einem Wassergehalt von 5% bei ca. -5 Grad für 5 - 10 Jahre möglich.

 

Kornzahl/Kg Flügelsamen (in Tsd)

1000-Korn- gewicht (g)

Gewicht von 100 Liter geflügeltem Saatgut (kg)

Pflanzen-%

Aussaatfläche /kg Breitsaat (m²)

Durchschn. erzielbare Pflanzenzahl einjähriger Sämlinge/kg

Roterle

500 - 800

1,2

32

3

60 - 120

10.000 - 15.000

Esche

11 - 13

60 - 75

16

15 - 20

12 - 14

1.500 - 2.500

Bergahorn

10 - 18

80 - 110

13

20

12 - 14

2.000 - 8.500

Tab. 3: Saatguteigenschaften von Rot-Erle, Esche und Berg-Ahorn

Bei gutem Saatgut werden Keimprozente von 50 - 70 % erreicht. Während im Labor etwa 200 - 400 Sämlinge/g Saatgut auflaufen, sind es in der Baumschule 10 - 20 Sämlingen/g. Das Pflanzenprozent liegt mit 3 % daher entsprechend niedrig (Tab. 3). Erlen werden i.d.R. als zweijährige Pflanzen (1+1) in der Größensortierung 60/100 bzw. 100/140 ausgeliefert.

Verjüngungsökologie von Erlenbeständen

Pionierbaumart dominierte Waldtypen können sich, laut Jörg Ewald und Helge Walentowski (FH Weihenstephan), auf Dauer nur dann erhalten, wenn Störungen stattfinden, die die Sukzession immer wieder in Gang bringen.

Die natürliche vegetative Verjüngung der Schwarz-Erle erfolgt v.a. durch Stockausschlag nach Biberfraß. Darüber hinaus hat sie sich in die Niederwaldwirtschaft eingefügt, in der sie regelmäßig „auf den Stock gesetzt“ wird.

Für eine generative Verjüngung der Schwarz-Erle als Licht- und Rohbodenkeimer, sind, da lichte Stellen meist sehr gras- oder krautwüchsig sind, i.d.R. „Bodenstörungen“ erforderlich. In der Dynamik von Bachauen, in der die Früchte und Samen (generative Diasporen) nicht nur mit dem Wind, sondern auch mit dem Fließgewässer verbreitet werden, finden sich diese Störungen auf frischen Anlandungen und Uferanrissen. In den Sumpf- und Bruchwald sind die lichten Stellen oft sehr gras- oder krautwüchsig. Eine generative Verjüngung ist hier i.d.R. nur nach Störungen wie langandauernden Überschwemmungen, Windwurf, bei Austrocknung von baumfreien Nieder- und Zwischenmooren, Brachfallen von Nasswiesen und Anlage/Brachfallen von Teichen möglich. Rohbodenähnliche Bedingungen für die Keimung finden sich für die Schwarz-Erle auch auf Seggen-Bulten, bei Kadaverjüngung (Keimung liegendem Totholz) und in vom Wildschwein durchwühlten Weichböden, in Wildfährten und Wildsuhlen.

Die Erle in der Pflanzengesellschaft Mitteleuropas

Während die Grün- und vermutlich auch die Grau-Erle die Eiszeit nördlich der Alpen überdauerte, hatte die Schwarz-Erle, laut Jörg Ewald und Helge Walentowski (FH Weihenstephan), ihr Hauptrefugium vermutlich in Süd-Russland (Kaspisches Meer, Schwarzes Meer). In der Nacheiszeit breitete sich die Schwarz-Erle erst relativ spät, mit Beginn des Boreal, von Osten her aus.

Das heutige Areal der Schwarz-Erle reicht vom mediterranen Hartlaubgebiet bis in die boreale Nadelwaldzone bzw. Taiga. Die West-Ost-Erstreckung des Areals reicht vom warmtemperierten atlantischen Laubwaldgebiet bis in kontinentale Steppen- und Wüstengebiete (s. Abb. 1).

Trotz dieser großen Klimaamplitude ist die Höhenverbreitung der Schwarz-Erle erstaunlich gering. In Mitteleuropa kommt sie vom Tiefland bis in die mittleren Berglagen, am nördlichen Alpenrand baumförmig nur bis 1.050 m und strauchförmig bis 1.140 m vor. Begrenzt wird das Vorkommen Schwarz-Erle durch das Klima, sie benötigt ausreichend Wärme in der Vegetationszeit. In der subalpinen Stufe sind die Sommer zu kühl und wolkenreich.

Die Schwarz-Erle bildet Waldbestände auf nassen oder häufig überfluteten Standorten. Sie dominiert regelmäßig im Erlen-Bachauenwald (Stellario nemori-Alnetum glutinosae), Erlen-Sumpfwald (Circaeo alpinae-Alnetum glutinosae) und Erlen-Bruchwald (Carici elongatae-Alnetum glutinosae).

Die Verbreitungsschwerpunkte von Schwarz-Erlenbruchwäldern in Deutschland finden sich im

  • Norddeutschen Tiefland, in den großen Urstromtäler (z.B. Spreewald das heute noch bedeutendste Erlenwaldgebiet Mitteleuropas) und Seenplatten (Mecklenburgische und Pommersche Seenplatte);
  • Jungmoränengebiet des südlichen Alpenvorlandes als natürliches Schlusswald-Stadium der Seenverlandung und in torfmoosreicher Ausbildung im Rand-Sumpf (Lagg) der Hochmoore;
  • Mittelfränkischen und oberpfälzischen Weihergebiet.

Waldwachstumskundliche Charakterisierung der Schwarz-Erle

Die Schwarz-Erle wird, laut Heinz Utschig (Lehrstuhl für Waldwachstumskunde, TU-München), bei besten Standortbedingungen bis zu 35 m hoch. Der Stamm ist wipfelschäftig und erreicht bei Kernwüchsen i.d.R. 50 bis 80, maximal bis zu 100 cm Durchmesser in Brusthöhe (1,3 m über dem Boden) bei einem Alter von 120 bis 150 Jahren. Das Herzwurzelsystem ermöglicht eine tiefreichende Durchwurzelung selbst schwierigster Böden. Die Schwarz-Erle gilt daher als eine völlig sturmsichere Baumart.

Nach der Begründung eines Schwarz-Erlenbestandes mit ca. 6.000 Bäumen/ha, stehen im Alter von 20 Jahren nur noch 800 bis 1400 Bäume/ha und bei besten Bonitäten im Alter 80 noch ca. 200 Bäume/ha. Damit ist die Stammzahlhaltung in der Jugend deutlich niedriger als bei unseren Lichtbaumarten Kiefer, Lärche oder Eiche. Im Alter von 80 Jahren nähern sich die Stammzahlhaltungen an.

Die Höhenentwicklung der Lichtbaumart Schwarz-Erle verläuft in der Jugend sehr schnell. Schon im Alter von 20 Jahren (bei Jahrringbreiten von 5 mm) wird die Hälfte und im Alter von 40 Jahren (Jahrringbreiten von 3 mm) bereits 85 % der Endhöhe erreicht. Anfangs hat sie einen Höhenzuwachs von 1 m pro Jahr der bis zum Alter von 40 Jahren auf Werte unter 25 cm/Jahr fällt. Damit nimmt auch die Wuchsdynamik v.a. in der zweiten Hälfte der Umtriebszeit (Jahrringbreiten von 1-2 mm) deutlich ab. Daraus folgt, dass nur frühe Durchforstungseingriffe in anfangs sehr kurzen Abständen die Kronenausbildung und das Durchmesserwachstum nachhaltig beeinflussen können.

Der verbleibende Vorrat/ha erreicht bei mittleren Bonitäten Werte von 320 Efm/ha, bei besten Bonitäten 400 Efm/ha. Der laufende jährliche Volumenzuwachs kulminiert im Alter von ca. 30 Jahren mit 14 - 16 Efm/ha und Jahr und sinkt danach rasch ab.

Im Alter von 80 Jahren sind unter optimalen Bedingungen Brusthöhendurchmesser von 50 cm bei der Schwarz-Erle möglich. Um das Durchmesserwachstum zu steigern, muss nach Erreichen der astfreien Schaftlänge stärker und v.a. in der ersten Hälfte der Umtriebszeit häufiger eingegriffen werden als bisher. Maßnahmen zur Förderung des Durchmesserwachstums haben ab dem Alter von 40 Jahren nur noch wenig Erfolg.

Die Schwarz-Erle ist eine ausgeprägte Lichtbaumart mit äußerst schwacher Konkurrenzkraft, die im Zwischenstand kaum überlebt. Die Kronen der Schwarz-Erle, die, bei einem mittleren Brusthöhendurchmesser von 50 cm, Radien von 3 - 6,5 m erreichen, berühren oder durchdringen sich nicht. Daher ist die Kronenentwicklung in der Altersphase zwischen 10 und 30 Jahren, bei Oberhöhen von 10 bis 20 m, besonders wichtig, da nur in dieser Phase entscheidend auf die Kronenausbildung eingewirkt werden kann. Hieraus errechnen sich, bei 70% Flächen-Überschirmung, Stammzahlen zwischen 51 und 247 Bäumen/ha in reifen Altbeständen.

Aufgrund der geringen Volumenleistung können aus Schwarz-Erlenbeständen nur aus der Qualität (nicht aus der Masse) des erzeugten Holzes Zufrieden stellende Erträge erzielt werden. Das wichtigste Ziel ist daher die Erhöhung des Wertholzanteils.

Waldbauliches Konzept zur Pflege der Schwarz-Erle

Nach den Erfahrungen von Thomas Immler (Forstdirektion Oberbayern-Schwaben, Augsburg), ist für den Graukern der Rot-Erle nur das Alter und der Boden ausschlaggebend. Nur auf den besten, basenreichen Böden bleiben Schwarz-Erlen bis 80 Jahre ohne nachteiligen Kern und erreichen hochrentable Stärken von L4 bis L5a (Mittendurchmesser 40 – 54 cm). Auf durchschnittlichen Standorten beginnt die Graukernbildung bereits ab Alter 45.

In der Jungwuchs- und Dickungsphase, den ersten 10 Höhenmetern, ist Dichtschluss und Seitendruck zu erhalten, um die gute Astreinigung so früh wie möglich zu erreichen. Nur eine frühe extensive negative Auslese der allergröbsten Erlen und eine Mischungsregulierung ist in dieser Phase notwendig.

Bei der Schwarz-Erle ist es wegen des begrenzten Produktionszeitraumes (Wuchsdynamik und Graukernbildung) notwendig, das starke Dickenwachstum im Alter von 10 – 20 Jahren zur Sicherung des Produktionszieles beim Durchmesser zu nutzen. Die Erle wird in dieser Phase um 10 cm stärker. Die Pflege wird bei Erreichen der astfreien Schaftlänge mit einer vorsichtigen Förderung von zunächst rund 300 Bäumen/ha begonnen.

Mit Erreichen einer Oberhöhe von rund 16 m und einem Alter von ca. 20 Jahren endet die Phase der Astreinigung. Zum Erreichen großer Durchmesser werden die Bäume jetzt stark durchforstet damit sich die Krone vital ausbaut. Da die Schwarz-Erle zur Wasserreiserbildung neigt, beschränkt sich die Umlichtung zunächst auf die Entnahme jedes zweiten Bedrängers. Anschließend, ab einer Oberhöhe von rund 20 m, werden die Auslesebäume voll umlichtet wobei hier die Nassschneegefahr berücksichtigt werden muss. Der Kronenschluss bleibt auf Dauer unterbrochen. Folgeeingriffe sind immer dann notwendig, wenn die Kronen in Kontakt zueinander treten.

Einzelmischung von anderen Baumarten mit der Schwarz-Erle sollten vermieden werden, da die Erle, wenn sie bedrängt wird, mit einem enormen Zuwachsrückgang reagiert.

Bedeutung der Schwarz-Erle in der Wasserwirtschaft

Die Schwarz-Erlen gehört neben einige Weidenarten zu den wenigen Baumarten, die sehr gut mit hoher Bodennässe und mit rohen Nassstandorten zurecht kommen, weshalb sie auch für die Wasserwirtschaft etliche wichtige Funktionen übernehmen kann.

Die Schwarz-Erle verträgt, nach Dr. Peter Jürging (vormals Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft), Überflutung, Überstau, Überschotterung, Eisgang sowie Grundwasserschwankungen. Auf diesen Standorten erwächst der Erle wenig Konkurrenz und mit ihrer guten Keimfähigkeit, guten Durchwurzelung des Standorts und hohen Regenerationsfähigkeit kann sie hier bestehen.

Bei Hochwasser dämpfen sie in den Auen den Hochwasserabfluss und leisten somit einen Retentionsbeitrag. Sedimente und damit auch Nährstoffe lagern sich im Überflutungsbereich ab. Nach Abklingen des Hochwassers pumpen die Erlen durch ihren hohen Wasserverbrauch (die Erle gilt als die Baumart mit der höchsten Verdunstung) Wasser aus dem Auenboden, der dadurch wieder schnell wasseraufnahmefähig wird. Früher wurde diese Eigenschaft z.B. zur Drainage eingedeichter Flächen genutzt, heute eher zur Stabilisierung rutschgefährdeter Hangbereiche (Entzug des „Gleitmittels“).

Schwarz-Erlen haben bei der Uferbefestigung schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Sie wächst von Natur aus v.a. entsprechend der Samentrift, auf Höhe der Mittelwasserlinie am Ufer und entwickelt ein sehr dichtes Wurzelwerk mit z.T. über vier Meter langen Wurzeln über und unter dem Wasserhorizont. Mit diesem Wurzelwerk, bei dem selbst energiereiche Hochwasser das Ufer kaum erodieren können, tragen sie zur Ufersicherung bei und verringern den Aufwand für den Unterhalt (Instandhaltung) der Ufer ganz erheblich. Selbst Beschädigungen der Erlen durch Eistrieb, Eisregen, Windbruch oder gar teilweise Entwurzelung durch Hochwasser sind bei ihrer hohen Regenerationsfähigkeit kein Problem. Allerdings kann eine durchgehende Bepflanzung der Ufer von Fließgewässern mitunter den Zielen einer eigendynamischen Gewässerentwicklung widersprechen.

Ausreichend breite Gehölzstreifen mit Erlen sind ein wirksamer Filter zwischen intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen und den Gewässern. Sie reduzieren die Eutrophierung und Belastung der Gewässer durch Dünge- und Pflanzenbehandlungsmitteln und Stoffeinträge aus angrenzenden Nutzflächen.

Die Beschattung von Fließgewässern durch diese Ufergehölze verringert Temperatur der Gewässer im Sommer und führt durch Lichtentzug auch zu einem verringerten Algen- und Pflanzenwachstum. Durch den damit verbundenen höheren Sauerstoffgehalt der Gewässer findet ein verbesserter biologischer Abbau von Belastungen (z.B. absterbende Pflanzen) im Gewässer statt. Auch der Gewässerunterhalt (Entkrautung, Entlandung) kann weitgehend entfallen oder zumindest wesentlich reduziert werden.

Flüsse und Bäche mit Gehölz- bzw. Erlensäumen weisen auch einen weitaus größeren Fischreichtum auf als solche mit baumlosen Ufern, weil die Erle eine indirekte Nahrungsquelle (u.a. eintropfende Insekten) für Fische darstellt und die Wassertemperaturen durch den Schatten niedriger sind. Von den ins Gewässer gefallenen Blättern ernähren sich Zerkleinerer wie z.B. Bachflohkrebse von Fischen beliebte Nährtiere. Zusätzlich bereichern die freigespülten Wurzeln und Wurzelbärte der Schwarz-Erlen sowie ins Gewässer gefallene Äste oder Bäume als Totholz die Gewässer- bzw. Biotopstruktur wesentlich.

Gehölz- bzw. Erlensaumsysteme stellen das Rückgrat für den Biotopverbund in Tallandschaften dar. Insgesamt gesehen unterstützen Erlensäume als Lebensraum und Wanderkorridore das ökologische Gleichgewicht und damit auch den integrierten Pflanzenschutz in angrenzenden landwirtschaftlichen Kulturen.

Die Phytophthora – Wurzelhalsfäule der Erlen

In Südengland wurde 1993, in Norddeutschland und Bayern 1995, erstmals ein massives Absterben von Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa (L.) entlang von Flussläufen sowie in flussfernen Pflanzungen beobachtet. Das Krankheitsbild ist, nach Thomas Jung und Markus Blaschke (Bay. Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising), charakterisiert durch kleinblättrige, vergilbte und spärliche Belaubung, teilweise starke Fruktifikation sowie an verholzten Wurzeln und am Stammfuß orangebraune Nekrosen der inneren Rinde mit äußerlich sichtbaren schwarzbraunen Flecken („Teerflecke“) aufgrund der Ausflüsse.

Die Rindennekrosen können sich zungenförmig bis zu 3 m Stammhöhe erstrecken und den Stamm umfassen, was zum Absterben des Baumes führt. Auch weniger stark geschädigte Erlen weisen eine deutlich verminderte Vitalität auf, was sie für den Befall durch Schwächeparasiten prädisponiert. Ursache der Rindennekrosen ist eine bislang unbekannte Phytophthoraart, die sich als Hybrid zwischen Phytophthora cambivora und einer noch unbekannten mit P. fragariae nahe verwandten Art erwies.

Pilze der Gattung Phytophthora sind weltweit als primärparasitische Feinwurzelzerstörer sowie Auslöser von Wurzelkragenfäulen an Jung- und Altpflanzen hunderter Baum- und Straucharten bekannt und gehören zu den aggressivsten und bedeutendsten Pflanzenpathogenen der Welt. Phytophthora-Arten verbreiten sich über begeißelte Zoosporen, die in das Bodenwasser oder in Fließgewässer entlassen werden. Diese schwimmen chemotaktisch angelockt zu anfälligem Wirtsgewebe und infizieren dieses.

Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Erkrankung hängen ganz entscheidend vom Wasserhaushalt des Standortes ab. Während auf stark staunassen und zeitweise überstauten Standorten teilweise bereits 3 Jahre nach der Pflanzung erste Krankheitssymptome („Teerflecken“) am Wurzelhals auftreten, kann dies auf anderen Standorten bis zu 10 Jahre und länger dauern.

Die Infektion verbreitet sich aus infizierten Beständen stromabwärts entlang der Entwässerungsgräben, Bächen und Flüssen und ihrem Überflutungsbereich. Nichtüberflutete „Landwald“-Standorte werden durch die Einschleppung von bereits infiziertem Baumschulmaterial infiziert (Bewässerung aus infizierten Fließgewässern). Auf den staunassen oder wechselfeuchten Standorten kommt es nach starken oder langanhaltenden Regenfällen oftmals zu zeitweiser Überstauung, die der Erlen-Phytophthora ideale Bedingungen zur Ausbreitung mittels Zoosporen bietet.

Die Infektion natürlich verjüngter, flussbegleitender Erlen erfolgt meist über Adventivwurzeln am Wurzelhals und setzt sich fast ausschließlich stammaufwärts fort, so dass das darunter liegende Wurzelsystem noch längere Zeit gesund bleibt. Dagegen erfolgt die Infektion in der Baumschule über das Wurzelsystems, das unterhalb der Wurzelhalsnekrose in der Regel bereits abgestorben ist. Oft kann sogar exakt festgestellt werden, über welche Wurzelstränge die Erlen-Phytophthora zum Wurzelhals vorgedrungen ist.

Eine begrenzte Ausbreitung der Erlen-Phytophthora über tierische Vektoren wie z.B. Fische, Wasserschnecken und Wasservögel scheint ebenfalls stattzufinden, da in seltenen Fällen einzelne infizierte Erlen flussaufwärts von infizierten Pflanzungen gefunden wurden.

Erst Ergebnisse ergaben eine sehr geringe Neuinfektionsrate bei „auf den Stock gesetzten“, bachbegleitenden, über dem Wurzelhals infizierten Schwarz-Erlen. Da die Erlen- Phytophthora in erster Linie stammaufwärts wächst, bleibt das Wurzelsystem zumindest noch eine Zeit lang funktionsfähig. Geringen Erfolg zeigte diese Maßnahme bei wurzelinfizierten Baumschulpflanzen. In allen Versuchen wurden zahlreiche Erlen gefunden, die starke Rindenschäden durch Phytophthora am Stammfuß aufwiesen, diese jedoch zunächst erfolgreich überwallt haben. Es ist somit denkbar, dass auf manchen nicht-überfluteten Standorten „Abwarten-und-Beobachten“ sinnvoller als „auf-den-Stock-setzen“ ist.

Um eine Verbreitung der Erlen-Phytophthora mit möglicherweise infiziertem Pflanzmaterial in der Zukunft auszuschließen, soll die Aussaat und Verschulung nur auf Flächen stattfinden, die für mindestens fünf Jahre nicht mit Erle bestockt waren, sowie der Verzicht auf Bewässerung mit Oberflächenwasser. Höchstwahrscheinlich dürfte ein Rotationszyklus von drei Jahren genügen, da die Erlen-Phytophthora in den infizierten Baumschulquartieren nach zwei Jahren nicht mehr nachgewiesen werden konnte.

Für Erlenpflanzungen auf regelmäßig oder episodisch überfluteten Standorten sowie forstliche Erlenpflanzungen mit Anbindung an infizierte Erlenbestände kann eine Befallsfreiheit langfristig jedoch nur durch die Verwendung resistenter oder toleranter Erlen erreicht werden.

Pilzwelt der Schwarz-Erle

Es gibt viele Pilze, die eine besondere Bindung zur Schwarz-Erle oder der Gattung Alnus besitzen. Das Verhältnis der Erle zu einigen Mykorrhizapilzarten ist, nach  Markus Blaschke und Wolfgang Helfer (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft) besonders eng. Insbesondere aus der Gattung der Erlenschnitzlinge (Alnicola Syn. Naucoria) sind fast alle Arten streng an die Erlen gebundene Symbionten.

Neben der Symbiose mit den Knöllchenbakterien zur Sicherung ihres Stickstoffbedarfs geht weitere die Erle weitere Symbiosen zur Aufnahme von anderen Nährstoffen wie z.B. Phosphor und Wasser ein. Wie bei unseren Nadelbäumen sowie den Buchen und Eichen entwickeln sich bei der Erle zusammen mit den Pilzen ektotrophe Mykorrhizen („Pilzwurzeln“).

Viele Mykorrhizapilze anderer Baumarten werden, bedingt durch die Bodennässe und den hohen Stickstoffgehalt des Bodens, in den von der Schwarz-Erle dominierten Wäldern ausgeschlossen. Deshalb haben sich aus vielen bedeutenden Gattungen Pilze an die besonderen Standortsverhältnisse der Erlenwälder angepasst und bilden mit den Erlen eine exklusive Gemeinschaft, wie z.B. der Erlentäubling (Russula alnetorum), der Lila Milchling (Lactarius lilacinus) u.v.m..

Die Erle wird nur von wenigen parasitischen Pilzen befallen. Pilze wie Mehltau (Microsphaera penicillata), Kräuselkrankheit (Taphrina tosquinetii), Kätzchenkrankheit (Taphrina amentorum), bräunliche, runde Blattflecke verursacht u.a. durch Asteroma alneum oder Monostichella alni sind zwar auffällig, stellen allerdings keine Gefahr für den Baum dar. Der Rostpilz (Melampsoridium hiratsukanum) wechselt i.d.R. mit der Lärche den Wirt, kann aber auch ohne Wirtswechsel nur auf Erle vorkommen. Während der Nectria-Krebs (Nectria ditissima), der auch an der Rotbuche auftritt, für regelmäßig aufgebaute, rhombische Wucherungen an Stämmen verantwortlich ist, verursacht die Rotpustelkrankheit Nectria cinnabarina das Absterben von Rindenteilen, Zweigen und Ästen, der Erlenschillerporling (Inonotus radiatus) Stammbrüche und der Hallimasch (Armillaria sp.) den Tod des Baumes.

Eine große Pilzartenvielfalt entwickelt sich erst am toten v.a. liegenden Baum, wobei der Anteil der holzbesiedelnden Pilzarten mit zunehmender Bodenfeuchte steigt. Die häufigsten Zersetzer des Erlenholzes besitzen ein sehr breites Wirtsspektrum. An ein Leben in feuchten Gebieten sind der Körnchen-Rindenpilz (Bulbillomyces farinosus) und die Kleinsporige Kohlenbeere (Camerops microspora) angepasst.

Es haben sich aber auch Spezialisten entwickelt, die die verschiedenen Teile der Erle zersetzen: Erlenkätzchen werden vom Erlenkätzchen-Becherling (Ciboria amentacea), Erlenzäpfchen vom Erlenzäpfchen-Becherling (Ciboria viridifusca) und Erlenzäpfchen-Weichbecherchen (Mollisia amenticola) zersetzt und die Erlenblätter von Arten wie dem Flockenstiel-Helmling (Mycena rhenana) und dem Rotbraunstielige Sklerotienkeulchen (Typhula erythrophus), das insbesondere an den Stielen der Blätter zu finden ist.

Baumart

Anzahl der phytophagen Insektenarten

Birke

164 Arten

Weide

218 Arten

Aspe

67 Arten

Vogelbeere

26 Arten

Tab. 4: Phytophage Insekten an verschiedenen Baumarten

Forstinsekten an Erle

Im Vergleich zu anderen Weichlaubhölzern leben, laut Olaf Schmidt (Bayer. Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising), mit 54 phytophagen Insekten relativ wenige Arten an der Schwarz-Erle (Tab. 4).

Neben dem forstlich besonders bedeutsamen Erlenwürger (Cryptorhynchus lapathi) treten an Erlen v.a. auch auffällige blattfressende Käferarten auf, wie der Erzfarbene Erlenblattkäfer (Melasoma aenea) und der Blaue Erlenblattkäfer (Agelastica alni). Der Befall von Erlen durch diese Blattkäferart ist zwar auffällig, aber i.d.R. außer für frische gepflanzte Erlen, forstlich unbedeutend.

Die Erlen bilden nach dem durch Erlenblattkäferfraß bedingten Verlust von Blattmasse neue Blätter mit chemisch anders zusammengesetzten Inhaltsstoffen, die einer weiteren Massenvermehrung des Erlenblattkäfers entgegenwirken. Bei durch starken Blattfraß geschädigter Grau-Erle (Alnus incana) kommt es im Folgejahr zu einer erhöhten Larvensterblichkeit und geringerer Fruchtbarkeit bei den Erlenblattkäfern.

Der überwiegend dunkle, am Hinterleibsende auffällig weiß bzw. hell gefärbte Erlenwürger (Cryptorhynchus lapathi) gehört zur Familie der Rüsselkäfer. Seine Hauptwirtspflanzen sind Erle, Pappel und Weide. Er ist über ganz Europa und weite Teile Asiens verbreitet und hat in Mitteleuropa eine zweijährige Generation.

Aus wirtschaftlicher Sicht schädigt der Erlenwürger, der auch in Erlenkulturen erhebliche Schäden anrichten kann, Weidenkulturen wesentlich mehr. Die Käfer bevorzugen für ihren Stichfraß, der keine wesentliche Schädigung darstellt, saftreiches, junges Pflanzengewebe von 1- bis 2-jährigen Trieben mit noch glatter Rinde. Der Käferfraß in Kulturen kann hingegen sehr problematisch sein. Der Käfer legt seine Eier v.a. an 2- bis 4-(10-)jährigen Erlen ab. Die Larven fressen sich zunächst plätzend unter der Rinde, dringen dann in den Holzkörper ein und höhlen das Stämmchen von innen her aus. Erkennbar ist der Befall an Auswurfmaterial und Ausbohrlöchern sowie an den überwallten Rindenpartien. Der Erlenwürger lässt sich durch die Entnahme frisch befallener Erlen ungefähr im Juli bekämpfen.

Sagentiere an Erlen

An Erlen leben, nach Heinz Bussler zwei der seltensten Käferarten Deutschlands. Vom Agnathus decoratus GERMAR (Fam. Feuerkäfer) existieren bis heute nur vier Nachweise aus Deutschland. Agnathus decoratus ist eine mitteleuropäische Art mit diskontinuierlicher Ost-West-Verbreitung von Rumänien bis Frankreich. In Frankreich und an anderen Fundorten wurde die Art mehrmals in den Brutgängen des ebenfalls sehr seltenen und sagenhaften Borkenkäfers Xyleborus pfeili (RATZ.,1837) gefunden, der in absterbenden Erlen brütet, deren Wurzeln noch im Wasser stehen. Ein sensationeller Wiederfund der Art gelang nach über 100 Jahren im Jahr 2001 in Österreich.

In Bayern gelten sowohl Agnathus decoratus, wie auch Xyleborus pfeili als „ausgestorben oder verschollen“. Durch die verstärkte Aufmerksamkeit, die die Schwarz-Erle durch die Wahl zum Baum des Jahres erfährt, besteht die Hoffnung, dass auch die „Sagentiere“ der Erle wieder gefunden werden.

Vögel an der Erle

Der Erlenzeisig (Carduelis spinus), ist ein kleiner, überwiegend gelbgrün gefärbter Singvogel. Der ganzjährig bei uns vorkommende, teilziehende Brutvogel lebt in Westeuropa und Zentralasien, fehlt aber im westlichen Frankreich, in Teilen Spaniens und in Griechenland. Er bewohnt v. a. Nadelwälder im Mittel- und Hochgebirge und baut seine Nester v.a. hoch in Fichten. Im Winterhalbjahr ziehen sie ins Tiefland und sind dort v.a. an Birken und Erlen zu finden. Mit dem schmalen Finkenschnabel können die Zeisige sehr gut die kleinen Samen zwischen den Schuppen der gerade im Winter für sie bedeutsamen Erlenzäpfchen herausholen.

Neben den Erlenzeisig nutzen auch andere Finkenarten wie der Stieglitz, Birkenzeisig, Zitronenfink, Girlitz, Gimpel, Kreuzschnäbel, Buchfink und Bergfink die Erlensamen als Nahrung. Der Erhalt unserer Erlenwälder und von Erlensäumen an Gewässern hilft auch den nordeuropäischen Erlen- und Birkenzeisigen bei uns im Winter zu überleben.

Das Holz der Schwarz-Erle - Eigenschaften und Verwendung

In Mitteleuropa kommen, laut Dietger Grosser (Institut für Holzforschung, TU München) mit der Schwarz-Erle und der Grau-Erle zwei baumförmig wachsende Erlenarten vor. Im Holzhandel versteht man unter Erle i.d.R. das Holz der Schwarz-Erle. Obwohl zwischen der Schwarz- und der Grau-Erle keine Eigenschaftsunterschiede bestehen, sie besitzen einen identischen holzanatomischen Aufbau, der selbst mikroskopisch nicht unterscheidbar ist, wird das Holz der Weißerle als geringerwertig eingestuft. Dies dürfte darauf beruhen, dass von der Weiß-Erle nur selten fehlerfreie Stämme in nutzholztauglichen Dimensionen zu finden sind.

Die Erlen zählen zu den Splintholzbäumen bzw. Holzarten mit „verzögerter Kernholzbildung“. Das heißt, Splint- und Kernholz sind farblich nicht unterschieden. Das Holz ist rötlichweiß, rötlichgelb bis hell rötlichbraun gefärbt. Unter Lichteinfluss dunkelt es merklich nach. Auch das Dämpfen bewirkt eine dunklere rotbraune Färbung gegenüber der natürlichen Holzfärbung. Frisch eingeschlagene Stämme besitzen auf der Hirnfläche vorübergehend eine auffällige orangerote Oxidationsfärbung, die mit zunehmender Austrocknung verblasst und schließlich wieder verschwindet.

Die Erlen gehören zu den zerstreutporigen Holzarten mit weitgehend gleichmäßig über den Jahrring verteilten Gefäßen. Die zahlreichen Gefäße sind recht fein kaum erkennbar. Die nur schmalen Holzstrahlen sind häufiger zu so genannten Scheinholzstrahlen gebündelt und treten als solche auf allen Schnittrichtungen deutlich hervor: Im Querschnitt als bis zu 0,5 mm breite, hellrötliche, unscharf begrenzte Linienzüge, im Tangentialschnitt als schmale dunkle, vom Praktiker als „Haare“ bezeichnete Streifen mit Längen bis zu mehreren Zentimetern und im Radialschnitt teils als unregelmäßige rötlichbraune Flecken oder Bänder, teils als verwaschene Spiegel.

Die Jahrringe sind unscheinbar, ihre Grenzen aber durch ein dichteres letztes Spätholzband gut markiert. Dadurch ergibt sich auf den Tangentialflächen eine zarte, dekorative Fladerung. Die Radialflächen sind weitgehend gleichförmig strukturiert.

Charakteristisch für Erlenholz ist das häufige Vorkommen von durch eine Minierfliege verursachten braunen Markflecken. Sehr stark befallene Erlen werden vom Drechslerhandwerk eine das Holzbild belebende Strukturabweichung gesucht.

Die Schwarz-Erle liefert ein weiches, mittelschweres, mäßig schwindendes Holzarten Holz mit ausgezeichnetem Stehvermögen (Tab. 5). Es ist gleichmäßig feiner, geradfaseriger Struktur mit einer mittleren Rohdichte von 0,55 g/cm³ bezogen auf eine Holzfeuchte von 12-15 % (Tab. 6). Der relativ niedrigen Rohdichte entsprechend ist Erlenholz nur wenig fest bzw. tragfähig, vergleichbar mit der Linde (Tab. 7).

Holzarten

Schwindmaß vom frischen bis zum gedarrten Zustand bezogen auf die Abmessungen im frischen Zustand in %

Differentielles Schwind- / Quellmaß in % je 1% Holzfeuchteänderung im Bereich von u = 5% bis u=20%

 

βl

βr

βt

βV

radial

tangential

t/r

Laubhölzer

 

 

 

 

 

 

 

Schwarz-Erle

0,4-0,5

4,3/4,4

7,3-9,3

12,6-13,6

0,15-0,17

0,24-0,30

≈1,7

Weide

0,5

2,4-3,9

6,3-6,8

9,6-11,2

0,11-0,13

0,22

≈1,8

Schwarzpappel

0,3

5,2

8,3

13,8-14,3

0,13

0,31

2,4

Zitterpappel (Aspe)

-

3,5

8,5

11,0-12,8

0,12

0,25

2,1

Linde

0,3

5,5

9,1

14,4-14,9

0,15-0,23

0,24-0,32

≈1,5

Stieleiche

0,4

4,0-4,6

7,8-10,0

12,6-15,6

0,16

0,36

2,2

Buche

0,3

5,8

11,8

17,5-17,9

0,20

0,41

2,1

Bergahorn

0,4/0,5

3,3-4,4

8,0-8,5

11,2-12,8

0,10-0,20

0,22-0,30

≈1,7

Birke

0,6

5,3

7,8-8,2

13,7-14,2

0,29

0,41

1,4

Nadelhölzer

 

 

 

 

 

 

 

Fichte

0,3

3,6

7,8

11,9-12,0

0,19

0,39

2,1

Kiefer

0,4

4,0

7,7

12,1-12,4

0,19

0,36

1,9

Tab. 5: Schwindmaße von Schwarz-Erle im Vergleich zu ausgewählten einheimischen Nutzhölzern; Werte nach DIN 68100; GROSSER 1998; GROSSER UND ZIMMER 1998

Holzarten

Rohdichte (rN) in g/cm ³

 

Mittelwert

Grenzwerte

Leichtere Laubhölzer

 

 

Schwarz-Erle

0,55

0,49 - 0,64

Weide

0,35 - 0,45 - 0,56

0,29 - 0,63

Pappel

Schwarzpappel

0,45

0,41 - 0,56

 

Zitterpappel (Aspe)

0,49

0,40 - 0,60

Linde

0,53

0,35 - 0,60

Schwerere Laubhölzer

 

 

Stieleiche

0,67 - 0,69

0,43 - 0,96

Buche

0,69 - 0,72

0,54 - 0,91

Bergahorn

0,61 - 0,63

0,53 - 0,79

Birke

0,65

0,51 - 0,83

Nadelhölzer

 

 

Fichte

0,47

0,33 - 0,68

Kiefer

0,52

0,33 - 0,89

Tab 6: Rohdichte der Schwarz-Erle im Vergleich zu ausgewählten einheimischen Nutzhölzern; Werte nach DIN 68364; GROSSER 1998; GROSSER und ZIMMER 1998

Holzarten

Elastizitätsmodul aus Biegeversuch E N mm -2

Zugfestigkeit längs σ ZB N mm-2

Druckfestigkeit längs σ DB N mm-2

Biegefestigkeit σ BB N mm-2

Bruchschlag- Arbeit ω kJ/m²

Härte nach Brinell N mm-2

Laubhölzer

 

 

 

 

 

längs

quer

Schwarz-Erle

7.700-11.760

94

47-55

85-97

50-54

33-38

16-17

Weide

7,200

42-64

24-34

31-47

23-35

13-16

Schwarzpappel

8,800

77

30-35

55-56

50

30

10

Zitterpappel (Aspe)

7.800

75

25-40

52-60

40

20-23

11

Linde

7.400

85

44-52

90-106

50

38-40

16

Stieleiche

11.700-13.000

90-110

52-61

88-95

60-75

64

41

Buche

14.000-16.000

135

53-62

105-123

100

72

34

Bergahorn

9.400-11.400

82-144

49-58

95-112

62-65

62

27

Birke

14.000-16.500

137

43-60

120-147

85-100

49

23

Nadelhölzer

 

 

 

 

 

 

 

Fichte

10.000-11.000

80-90

40-50

66-78

46-50

32

12

Kiefer

11.000-12.000

100-104

45-55

80-100

40-70

40

19

Tab. 7: Elastizität, Festigkeit und Härte von Schwarz-Erle im Vergleich zu ausgewählten einheimischen Nutzhölzern; Werte nach DIN 68364; GROSSER 1998; GROSSER UND ZIMMER 1998

Die Erle neigt weder zum Reißen noch zum Verwerfen und bereitet daher bei der Trocknung keinerlei Probleme. Sie lässt sich leicht und sauber bearbeiten, mühelos sägen, messern, schälen, hobeln, fräsen, drechseln, schnitzen und leicht spalten. Beim Einschnitt des Rundholzes sollte jedoch nicht mit einem zu schnellen Vorschub gearbeitet werden, da sonst die Oberflächen aufgeraut werden. Beim Hobeln ist auf sauber abgezogene Hobelmesser zu achten, da Messerscharten auf dem weichen Holz Riefen hinterlassen, die auch bei nachträglichem Schleifen bei der Oberflächenbehandlung wieder als Abdrücke in Erscheinung treten können. Beim Nageln reißt oder splittert dünnes Holz leicht und auch die Nagelfestigkeit ist nicht ganz problemlos. Gut halten dagegen Schrauben- und Leimverbindungen.

Erle nimmt vorzüglich Polituren, Lacke und Beizen/Pigmentbeizen an. Aufgrund ihrer ausgezeichneten Beizbarkeit gehört sie seit alters her zu den bevorzugten Holzarten für die Imitation verschiedener Edelhölzer wie Nussbaum, Kirschbaum, Mahagoni sowie in früherer Zeit auch Ebenholz.

Die Erle ist mit einem mittleren Extraktgehalt von etwa 5 % chemisch nur schwach reaktiv im Kontakt mit Metallen, wobei bei Kontakt mit Eisen schwache graue Holzverfärbungen entstehen können und das Eisen schwach korrodieren kann. Stark reaktiv verhält sie sich dagegen im Kontakt mit Zement, dessen Abbindung stark gestört wird.

Der Witterung ausgesetzt, besitzt das Holz nur eine geringe natürliche Dauerhaftigkeit. Deshalb muss das leicht verstockende Holz im Winter eingeschlagen und  rasch einschnitten werden. Das Schnittholz sollte witterungsgeschützt, in luftigen Stapeln, mit z.B. durch deckende Anstriche, Bekleben oder Benageln geschützten Hirnflächen gelagert werden. Unter Wasser verbaut besitzt die Erle hingegen eine ungewöhnlich hohe, der Eiche kaum nachstehende Dauerhaftigkeit, wie Grabungsfunde alter Pfahlbauten beweisen. Die Altstädte von Amsterdam sowie Venedig ruhen neben Eichen- auch auf Erlenpfählen.

Erlenholz wird als Rundholz, Schnitt- Schälholz und als Furnier gehandelt. Nicht einsetzbar ist es wegen der geringen Tragfähigkeit und Witterungsbeständigkeit im Hochbau als Bau- und Konstruktionsholz sowie als Bautischlerholz.

Die Erle gehört seit der Tropenholzdiskussion zu einer wiederentdeckten Holzart und findet als Massivholz und als Furnier Verwendung im Möbelbau bis hin zu anspruchsvollen Designermöbeln. Ferner liefert Erle wegen ihres ausgezeichneten Stehvermögens ein hochwertiges Blindholz für Möbel, Türfüllungen und Innenausbauten. Geschätzt ist ihr Holz ferner für Drechsler- und Schnitzarbeiten wie auch in der Holzbildhauerei.

Erlenholz kommt in der Tonmöbel- und Uhrengehäuseindustrie (Holzleisten), für Bilderrahmen, in der Modelltischlerei zur Herstellung von Gussmodellen, im Musikinstrumentenbau als Einbauteile in Akkordeons, für Hälse preiswerter Gitarren, Lauten und Mandolinen zum Einsatz. Es wird für Haus- und Küchengeräte, Kleiderbügel, Bürsten- und Besenrücken, Stiele von Mal- und Kosmetikpinseln, Bleistiftfassungen, Schuhleisten, Hutformen und Spielzeuge (Puppenstuben), Kisten und Kästchen aller Art, Etuis, Zahnleisten zur Fixierung von Maschinen in Transportkisten und bei minderwertigeren Qualitäten für Verpackungskisten und Einwegpaletten verwendet.

Das Erlen-Schälholz wird für die Herstellung von Zigarrenkisten, geringe Qualitäten für Obststeigen eingesetzt.

In der Holzwerkstoffindustrie wird Erle zur Herstellung von Spanplatten, Spanplattenformteilen und Faserplatten verwendet. Erle eignet sich aufgrund ihres homogenen Jahrringaufbaus ähnlich wie Rotbuche, Pappel und Birke bestens zur Herstellung von Furniersperrholz. Ebenso liefert Erlenholz ein ausgezeichnetes Mittellagenholz für Stab- und Stäbchensperrholz (= Tischlerplatten). Auch lässt sich aus Erle ein guter Holzschliff für die Weiterverarbeitung zu Papier gewinnen.

Zu ihren speziellen Einsatzbereichen gehört die Verwendung als Rähmchenholz für die Seitenteile der Innenrahmen von Bienenkästen und zur Herstellung von Spezial-Holzkohlen, wie z.B. Zeichenkohle, Lötkohle und Laboratoriumskohle und für Räucherspäne.

Traditionell werden aus Erle (in Westfalen und Oldenburgischen Land auch „Holschenboom“ - Holzschuhbaum genannt) Holzschuhe,  Holzsohlen und Schuhabsätze hergestellt. Früher war sie ein begehrtes Spezialholz für die Seiten und Laufleisten von Schubkästen sowie für die Anfertigung von Nähmaschinen und wurde wegen seines geringen Gewichts und gutem Stehvermögen in der Kofferindustrie verwendet. Es wurde als Pfahlholz, für Faschinen, Schleusentore, Quelleneinfassungen, Brunnentröge, Wasserleitungen und Drainageröhren, sowie im Mühlen- und im Grubenbau eingesetzt.

Die Schwarz-Erle in der Hand des Schreiners

Neben der Schwarz- bzw. Rot-Erle, deren Namen sich von der schwarzen Borke der alten Erle bzw. vom rotem Holz der frisch geschnittenen Erle ableitet, gibt es bei uns noch die Grauerle, deren Holz ist meistens etwas heller ist als das der Schwarz-Erle und nur in unbedeutenden Mengen am Holzmarkt auftaucht und deshalb unter dem Handelsname (Schwarz-)Erle vermarktet wird, sowie die Grünerle, die auf Grund ihrer Wuchsform (Strauch) nicht als Schreinerholz gebräuchlich ist.

Die Bezeichnung Walderle und Bacherle sind, laut  Stephan Schlaug (Fachschule des Bezirks Oberbayern für Schreiner und Holzbildhauer mit Fachakademie für Holzgestaltung, Garmisch-Partenkirchen), vom Holzhandel geführte Begriffe, die den Standort und somit die Wuchsform des jeweiligen Erlenholzes beschreibt. Die im Verband gewachsene, weitgehend astfreie, schlanke Walderle wird vom Schreiner gegenüber der im Freistand gewachsen, grobastige, abholzigen Flusserle bevorzugt.

Die Erle wurde bis vor 25 Jahren als minderwertiges Holz angesehen und außer in Nischennutzungen (Verpackungsindustrie) hauptsächlich als Brennholz verwendet. Ein Wandel in der Möbelmode führte zu einer stark gestiegenen Nachfrage nach Erlenholz. Heute werden Deutschland werden jährlich rund 15.000 m³ Erlenholz eingeschlagen.

Pharmazeutische Bedeutung der Erle

Die Erlen gehören, laut Norbert Lagoni (Robugen GmbH, München), nicht zu den „bedeutenden Medizinbäumen“ unserer Breitengrade. Doch findet man in der Volksheilkunde Hinweise auf die Verwendung von Erlenblätter und -rinde.

Erste Hinweise auf den Einsatz von Erlen-Bestandteilen als Heilmittel findet man bei den Heilern der römischen Antike. So berichtet Pedanios Dioskurides über die innere Anwendung von Rindentee bei Leib- und Darmkrämpfen.

In der mittelalterlichen Klostermedizin hat die Erle als Heilmittel keine Bedeutung. Bei der Äbtissin Hildegard v. Bingen (1098-1148) galt sie als „…Sinnbild der Nutzlosigkeit“.

In der Renaissance, mit dem Abbau des christlichen Argwohns gegenüber einer heidnisch begründeten Heilkunde bekamen die überlieferten medizinischbotanischen Schriften eine neue Bedeutung. So berichtet Hieronymus Bock (1489-1554) über die blutstillende Wirkung und den Infus aus Erlenblättern bei „blutspeyen und zanwehe“. Auch Petrus Matthiolus (1500-1577) verweist auf die Anwendung bei Blutungen, Mundfäule bei Kindern und Rotz. Der englische Arzt Wooster Beech (1794-1868) empfahl die Erle zur ‚Blutreinigung‘.

In den Kräuterbüchern des 16. und 17. Jh. wird die äußerliche Anwendung der Blätter - verabreicht als Absud - bei Geschwüren, Beulen und Wunden (Eiterflechte) sowie bei Gichtknoten an den Füßen beschrieben. Die mit einem Zusatz von Alaun aufgekochte Rinde diente zur Stärkung des Zahnfleisches und zur Behandlung von Geschwüren in Mund und Rachen. Zum Abstillen wurde Erlenblättertee auf die Brüste aufgetragen. Aufkochungen fanden als Klysma bei Darmkatarrh und Durchfallerkrankungen Anwendung.

Heute werden in der Naturheilkunde Erlenrinde und -blätter zur Bereitung natürlicher Heilmittel verwendet und in der Natur gesammelt. Die weiche Rinde wird zeitig im Frühjahr, wenn sie noch leicht vom Holz lösbar ist, von den jungen Ästen geschält und getrocknet. Die grünen Blätter werden in den Monaten Mai bis Juli gepflückt und durch häufiges Wenden schonend getrocknet.

Besonders hoch ist der Gerbstoffgehalt der Rinde. Die Tannin-Gehalte können bis zu 20% betragen. Weitere wichtige Inhaltstoffe sind Anthrachinone, Harzsäuren, Emodin, Alnulin und Flavonoglykoside (v.a. Hyperosid). Steroide (z.B. Sitosterol) und Triterpenderivate findet man in den Blättern der Erle.

Die Gerbstoffe wirken auf die Schleimhäute adstringierend. Rindentees und Lösungen werden deshalb äußerlich bei kleineren, oberflächlichen Blutungen, Hautauschlägen, Mundaphten Schleimhautentzündungen und Zahnfleischbluten eingesetzt. Darüber hinaus soll Erlenrindentee eine leicht fiebersenkende Wirkung haben.

Die Schwarz-Erle in der Gartenkunst

Wann die Schwarz-Erle Einzug in die historischen Gärten hielt, konnte, laut Rainer Herzog (Bayerischen Verwaltung der Schlösser, Gärten und Seen, München), bislang nicht eindeutig geklärt werden, da die Erlenarten in der historischen Literatur kaum unterschieden wurden.

Bereits 1658 hatte der Verleger Charles de Sercy in einer Ergänzung zu „Remarques necessaires pour la Culture des Fleurs“ von Pierre Morin auch die Erle als geeignetes Gehölz barocker Landhausgärten genannt. In der von Antoine Joseph Dezallier d’ Argenville 1709 in Paris veröffentlichten „La Théorie et la Pratique du Jardinage“, die 1731 vom Salzburger Hofgärtners Franz Anton Danreitter ins deutsche übersetzt wurde, wurden die “Wasser-Bäume“, zu denen auch die Erlen zählten standortgerecht zur Gestaltung von barocker Lustgärten eingesetzt.

Auf Grundlage der Planung des Bayreuther Hofbaumeisters Rudolf Heinrich Richter wurde in Bayreuth, nach dem Wiederaufbau des 1753 beim Brand zerstörten alten Residenzschlosses, der markgräflicher Garten aus dem 16. Jahrhundert durch das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine von Bayreuth deutlich erweitert und gravierend umgestaltet. Unter Berücksichtigung der Standortverhältnisse wurden entlang der Allee der Mailbahn „schöne Gänge“ mit Erlen und Weiden errichtet.

In Fantaisie bei Bayreuth ließ sich Herzogin Elisabeth Friederike Sophie von Württemberg zwischen 1765 und 1780 einen Rokokogarten anlegen, an dessen südlicher Peripherie ein schmales, von zwei Bächen flankiertes Wiesental verlief. Hier wurden in der Manier der Zeit ländliche Schäferspiele inszeniert und im angrenzenden Fichtenwald ein Eremitenhäuschen errichtet. 1793 ergänzte Herzogin Friederike Dorothee Sophie von Württemberg Rokokogarten durch einen Landschaftsgarten der sentimentalen Phase. Sie bezog das Tal in ihren Garten ein.

Jobst Christoph Ernst von Reiche, ein Offizier in preußischen Diensten, beschrieb 1796 Schloss und Garten Fantaisie in der Veröffentlichung „Die Fantaisie [–] ein Gemählde der Natur und der Tugend“, das Tal und insbesondere die Erlen als seine dominanten vegetabilen Bestandteile.

Der bayerische Hofgarten-Intendant Friedrich Ludwig von Sckell (1750-1823) führte die landschaftliche Gartenkunst in Deutschland zur Reife und sie krönte sie mit dem Schlosspark Nymphenburg und dem Englischen Garten in München. In Nymphenburg wandelte er im Auftrag des bayerischen Königs Max I. Joseph zwischen 1801 und 1823 den barocken Garten des 18. Jahrhunderts in einen Landschaftspark um. Dabei ersetzte Sckell die regelmäßigen Formen des Garten durch natürlich anmutende Elemente, wie Gehölze mit ihren naturhaften Wuchsformen in unterschiedlicher Anordnung als Einzelbäume, Baumgruppen, Haine und Waldpartien, durch Wiesen mit Bodenmodellierungen, durch Seen und Bäche mit naturgetreu geformten Ufern und Inseln.

In seinem 1818 veröffentlichten Lehrbuch „Beiträge zur bildenden Gartenkunst für angehende Gartenkünstler und Gartenliebhaber“ in dem er sein mehr als vierzigjährigen Berufsleben zusammenfasst, kommt Sckells Wertschätzung der Erle zum Ausdruck, der er eine besondere gestalterische Bedeutung beimaß. Er nutzte die Erle, auf Grundlage seiner Naturbeobachtungen, v.a. am Wasser zur Bepflanzung von Ufern, Seen und Inseln, auch in Kombination mit Weiden, Variantenreiche Bilder zu formen.

Die Gärten, als bewusst inszenierter dreidimensionales Kunstwerk enthalten eine Vielzahl erlebbarer Räume und Bilder, die v.a. aus Gehölzen gebildet und von Gehölzen geprägt werden. Das gestalterische Element der Bepflanzung trägt entscheidend zur Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit der jeweiligen Gartenanlage bei. Gehölze müssen zur Erhaltung des Gartenkunstwerks immer wieder ersetzt werden. Ein wichtiges Ziel der Gartenpflege ist es die ursprünglichen Bilder möglichst lange zu erhalten und bei Ausfall der raum- und bildprägenden Gehölze Ersatz durch die gleiche Art am gleichen Standort zu schaffen.

Die markanten alten Erlen des Schlossparks Nymphenburg können aufgrund ihrer natürlichen Lebenserwartung nicht aus der Zeit der Erstbepflanzung der Anlage stammen. Dennoch stimmt ihre gestalterische Verwendung mit Sckells Empfehlungen überein. Hierdurch können noch heute die Ideen der Entstehungszeit des Gartens nachvollzogen werden.

Die Erle in Sage und Legende

Die Erle hat, laut Jacques Andreas Volland (München), einen festen Platz in Sage und Legende der verschiedensten Landschaften. Wegen ihres Vorkommens an verrufenen und unheimlichen Orten, Erlenbrüchen, Sümpfen und Mooren, aber auch wegen des rot färbenden Holzes, werden ihr viele negative Wirkungen zugeschrieben. Gerade daher gewinnt die Erle mit dem im Volksglauben üblichen Mittel des Gegenzaubers umfangreiche Bedeutung. Dabei finden viele der genannten Verwendungen ausschließlich mit der Erle statt. Goethe baut in seinem „Erlkönig“ dichte psychologische Spannung um die Magie der Natur und die Freiheit der Geister auf. Dies bildet in Literatur und Musik die Ausgangslage für umfangreiches Schaffen und Wirken bis in die Gegenwart. In der aktuellen Welle um Esoterik und Mythologie hat die Erle weniger wegen des alten Wissens um ihre Wirkungen, sondern vielmehr wegen ihrer eher abgelegenen und „unheimlichen“ Standorte in den (Erlen)Brüchen an Bedeutung gewonnen. Die besondere Wirkung als Gegenzauber hat der Erle im Volksglauben Jahrhunderte lang einen festen Platz erhalten. Mit den Veränderungen in Landwirtschaft und Gesellschaft sind Gebräuche und Wissen bereits heute nahezu vergessen - und die Erle wird ihre Kraft und ihre Geheimnisse in stillen Brüchen und Mooren bewahren.

Die Erle hat einen besonderen Status unter den Bäumen, ihr Holz wird nach dem Hieb rot, das Holz scheint nutzlos zu sein, wächst oft in sonderlichen Formen und an abgelegenen Orten, die Erlenbrüche befinden sich in unfruchtbaren Gegenden, nahe gefährlicher Moore, wo Irrlichter die Wanderer täuschen, deren Hilferufe ungehört bleiben, bis sie der wankende Boden verschlingt, um sie Jahrhunderte später wieder als Moorleichen freizugeben.

Nach germanischem Recht wurden verschiedene Verbrechen mit der Versenkung im Moor bestraft. Frevler und Grenzsteinverrücker, auch Heimatlose wurden hier begraben. Die Seelen von Ertrunkenen, ungetauften Kindern und Selbstmördern treiben in den Mooren und Brüchen als Nebelschwaden umher. Diese verrufenen Orte wurden gemieden; sie galten lange als Aufenthaltsorte der Toten und dienen noch im aktuellen dritten Jahrtausend den vermeintlichen Höhepunkten der (Fantasy-) Kinofilme, als unheimlich empfundene Landschaft, als geeignete Kulisse.

Die Erle im Volksglauben

In der griechischen Aeneis überreden die Töchter des Helios, ihren Bruder Phaeton, den Sonnenwagen anzuspannen. Da Phaeton die Pferde nicht in der Gewalt hat, streift er die Erde und entfacht einen Weltenbrand. Mit einem Blitz tötet ihn der erzürnte Zeus. Die Schwestern hingegen beweinen den Tod des Bruders an den Ufern des Po und verwandeln sich hier in Erlen.

Circe, eine spätere Tochter Helios und Perses, lebt - umgeben von ihren trauernden Schwestern, den Erlen - auf der Insel Aiaia, wo sie Odysseus und sie seine Gefährten in Schweine verzaubert.

Nach dem Glauben der keltischen Iren entsprang der erste Mann einer Erle, seine Gefährtin einer Eberesche. Keltische Kultorte werden auch bei christianisierten Wallfahrsorten vermutet, welche die Erle im Namen führen (Erlbach, Irlach, Erlach).

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