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aktualisiert 10.05.2011

Forst-Sachverständigenbüro Rittershofer

 

Geologie

Der gewundene Main und seine Entstehungsgeschichte

Eine Komposition aus Flüssen der Vorzeit

Wie der Rhein den Main eroberte: Auf der abendlichen Wetterkarte des Fernsehens geben einige, 0rtnamen und Flüsse Orientierung. Dabei unterscheidet sich der Main als größter rechter Nebenfluss des Rheins wegen seiner westlichen Hauptfließrichtung und seinen markanten Richtungsänderungen von allen anderen deutschen Flüssen.

Als der Main zur Donau floss: Vor etwa zwei Millionen Jahren gab es den Main in seiner jetzigen Form nicht. Es gab mehrere Urflüsse des heutigen Mains, die noch weitgehend in flachen Mulden voneinander getrennt flossen und bei Hochwasser ihren Lauf noch ändern konnten. Täler im heutigen Sinn gab es nicht.

Bei Marktbreit mündeten zwei Flüsse zusammen, von denen einer aus der Rhön kam. Sie flossen auf einer flach gewellten Hochfläche, die etwa 40 Meter über der heutigen Gäufläche (300 Meter) lag. Sie gelten auch als Quellflüsse der “Ur-Altmühl”, die heute bei Kehlheim in die Donau mündet. Durch die so genannte . “Iphöfer Pforte”, floss das Wasser nach Südosten zur Donau.

Die Iphöfer Pforte liegt als breite Öffnung zwischen den Bastionen von Schwanberg (474 Meter) und Scheinberg (499 Meter). Die zusammenhängende Steigerwald-Stufe ist dort durch ein niedriges, Waldbestandenes Keuper-Hügelland unterbrochen, das heute die Wasserscheide zwischen Breitbach und Bibart bildet. Die Iphöfer Pforte gilt auch als Tal-Torso des “unterfränkischen Ur-Mains”. Als Beweise führen die Geologen Gerölle und Schotterablagerungen an, die die Flüsse von ihrem höher gelegenen Lauf mit sich transportierten. So hat man im Mönchsondheimer Holz Muschelkalk-Gerölle gefunden, die von westlich gelegenen Gebieten stammen müssen.

Damals flossen noch alle Flüsse des östlichen Süddeutschland zur “Ur-Donau”. Auch der “oberfränkische Ur-Main” aus dem Fichtelgebirge mündete in die Regnitz, die damals in umgekehrter Richtung wie heute, zur Donau entwässerte.

Als Hinweise gelten in diesem Fall, dass man in rheinhessischen Sandablagerungen von damals keine Spur von Gesteinsmaterial aus dem Fichtelgebirge findet, wohl aber im Regnitz-Gebiet südlich von Bamberg. Außerdem fließen noch heute die meisten Steigerwald-Flüsse wie Bibart, Aisch, Zenn und Ebrach, in Richtung der alten Donau-Entwässerung zur Regnitz.

Wie der Rhein die Donauflüsse raubte - Vom Kampf um die Wasserscheide: Über Jahrmillionen vollzogen sich dramatische Veränderungen auf der Erdoberfläche ehe im Kampf um die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau die beiden “Ur-Maine” zum Rhein umgeleitet wurden.

Vor vielen Jahrmillionen hoben sich die Alpen als Faltengebirge heraus. In der Rhön, durchbrachen Vulkane die Gesteinsschichten. Erdbeben erschütterten das Land. Die süddeutsche Erdscholle wurde höher geschoben. Spannungen und Risse bildeten sich auf der Erdoberfläche und zerbrachen in riesige Gesteinspakete. Auch der Oberrheingraben mit dem Rhein entstand in dieser Erdperiode.

Gegen Ende dieser unruhigen Zeit zerbrach bei Eltmann/Zeil die zusammenhängende Keuperstufe, deren Teile heute als Haßberge und Steigerwald verschiedene Namen haben.

Mit der Hebung des Landes und der Absenkung des Rheins erhielten, die Flüsse ein stärkeres Gefälle und vertieften ihre Täler. Die Talbildung wurde mit Beginn der Eiszeit vor etwa einer Millionen Jahren verstärkt und die Flusstäler in ihrem Lauf festgelegt - so auch beim Rhein, der sich den Main eroberte. Seine Nebenflüsse hatten - wie auch heute noch - ein stärkeres Gefälle als die der Donau.

Besonders im Oberlauf gruben sich die Flüsse, besonders bei Hochwasser, schneller und tiefer ein. Boden und Gestein wurden unterspült, weggerissen und talwärts transportiert. Der Fluss legte seine Quelle immer weiter zurück bis er die Wasserscheide zu einem anderen Bach oder Fluss durchbrach. So holte sich der Rhein durch “rückschreitende Erosion” ein Stück des heutigen Main-Systems nach dem anderen.

Für den heutigen Lauf des Mains war entscheidend, dass er die zerbrochene Keuperstufe bei Eltmann/Zeil ausräumen und dann den “oberfränkischen Ur-Main” anzapfen konnte und weiter “rückschreitend” auch die Regnitz mit ihren Nebenflüssen zu sich umleiten konnte. Damit hatte der Rhein den Kampf um die Wasserscheide zur Donau gewonnen.

Daher müssen die Wasser der Steigerwald-Bäche, die meist kurz hinter der Steigerwaldstufe entspringen - wie die Bibart am Schwanberg - heute erst einen langen Weg zurücklegen, ehe sie in den Main gelangen. Dabei sind es von der Bibart-Quelle, bis zum Main bei Kitzingen nur etwa zwölf Kilometer Luftlinie.

Der Kampf um die Wasserscheide geht auch noch heute munter weiter, nicht nur zwischen den großen Strömen, sondern auch zwischen benachbarten Bächen. Die Erdoberfläche verändert sich unaufhörlich.

 

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