Diplom-Forstwirt (Univ.)
Bodo Rittershofer

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Letzte Aktualiesierung:
01.04.2005

Diplomarbeit - Themenstellung

Biotopvernetzung und Biotopverbund in der Literatur -

mit Entwicklung und Erprobung eines Bewertungssystems
am Beispiel zweier Flächen im Münchner Norden

Flächennutzungskarte der Diplomarbeit
Bewertung der Vernetzung
Bläulinge auf einer Flockenblume

Bläulinge auf einer Flockenblume

Einleitung
 
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 In geschichtlicher Zeit hat immer wieder ein tiefgreifender Landschaftswandel und damit auch eine Landschaftsstrukturveränderung stattgefunden. Großflächige Abholzungen ganzer Wälder, sowie deren anderweitige Nutzung oder neue Flächennutzungsziele und -formen haben dabei im Zusammenhang mit den parallellaufenden Biotopveränderungen und den Verlusten naturnaher Biotope auch regelmäßig tief in das Gefüge tierischer und pflanzlicher Lebensgemeinschaften eingegriffen und diese teilweise nachhaltig gestört. Insofern stehen wir keiner neuen, nie dagewesenen Situation gegenüber, wenn wir heute bei der Betrachtung der Landschaftsentwicklung einen Wandel der Flächenstrukturen, der Nutzungsformen und der Nutzungsintensitäten registrieren. Aber die quantitativen Aspekte dieses Wandels, sowie die Geschwindigkeit, mit der dieser bald weltweit, vor allem aber in Mitteleuropa und anderen hochindustrialisierten Ländern, zu beobachten ist, ist erschreckend (MADER 1980).

 Die ursprüngliche Flora und Fauna Mitteleuropas war nach der Eiszeit hauptsächlich durch Waldarten geprägt. Lediglich entlang der Flüsse, an Steilhängen und auf immer wieder entstehenden Lichtungen gab es bereits Tier- und Pflanzenarten, die offenes Gelände besiedelten. Solche offene Landschaftsformen sind durch große Rodungen des Menschen erheblich ausgeweitet worden. Die Zunahme der Artenzahl, die nach der Eiszeit anfangs im wesentlichen auf die Erwärmung des Klimas zurückzuführen war, wurde durch diese anthropogenen Eingriffe beschleunigt. Arten der offenen Flächen, die natürlich einwanderten oder vom Menschen eingeführt wurden, sind nun in der Lage sich auf diesen offenen Flächen dauerhaft anzusiedeln (Abb. 1).

Artenentwicklung im Verlauf der Zeit
Abb. 1: Veränderung der Flora und Planzengesellschaften mit der Zeit (aus SUKOPP, HAMPICKE 1985).

 Diese Artenzunahme fand mit dem Einsatz von Großmaschinen und der damit verbundenen Mechanisierungswelle in der Landwirtschaft ein jähes Ende. Hinzu kommt, daß durch die Verwendung von Pestiziden unerwünschte Pflanzen- und Tierarten vernichtet werden. Durch die Anwendung chemischer Düngemittel werden die Standorte immer einheitlicher, was diese Entwicklung noch zusätzlich verstärkt. Dadurch wird der Lebensraum für die typischen Besiedler der Agrarflächen und für die Arten, die ihn auf ihren Wanderungen durchqueren müssen, zunehmend lebensfeindlicher. Die wenigen Rückzugsgebiete, die ihnen noch verbleiben - wie Hecken, Feuchtstellen, Acker- und Wiesenränder - werden (meist von der Flurbereinigung) beseitigt, um den Mechanisierungseffekt zu vergrößern und um noch höhere Erträge zu erzielen.

 Großflächige Eingriffe in den Wasserhaushalt und die zunehmende Eutrophierung und Verschmutzung haben zu einer gravierenden Veränderung der Standortbedingungen im und um die Gewässer geführt.

 Die Versiegelung der Landschaft (in Bayern sind es gegenwärtig ca. 7% der Landesfläche) durch Infrastruktur, Siedlungen und Industriekomplexe und die Ausdehnung der Städte mit ihren eigenen Lebensbedingungen, hat den Lebensraum vieler Pflanzen- und Tierarten weiter eingeengt.

 Straßen zerschneiden zunehmend unsere noch verbliebenen offenen Flächen und wirken somit der natürlichen Dispersion bodengebundener Tiere entgegen. Die wenigen verbleibenden Lebensräume wild lebender Flora und Fauna liegen wie Inseln in einem Meer, umgeben von lebensfeindlicher Nutzung.

 Aus ökologischer Sicht lässt sich der Landschaftswandel vereinfacht durch drei Stichworte kennzeichnen:

 - Biotopverlust (bzw. Verlust der Biotopvielfalt)

 - Strukturverarmung

 - Biotopisolierung und Verinselung

Verursacher des Artenverlustes

 Abb. 2: Ursachen und Verursacher (Landnutzer und Wirtschaftszweige) des Artenrückgangs (nach SUKOPP, TRAUTMANN, KORNECK 1978 aus SUKOPP, HAMPICKE 1985).

 Die zunehmende Gefährdung unserer Lebensgrundlagen (Abb. 2) - Boden, Wasser, Luft - haben das Umweltbewusstsein der Wissenschaft und der Bevölkerung geweckt. Dieser aus der Bevölkerung kommende Druck veranlasst Politiker, neue Wege im Natur- und Umweltschutz und im Zielkonflikt zwischen dem Naturschutz und der Landnutzung zu finden. Eine der Möglichkeiten, dem Verlust wertvoller, naturnaher Biotope und der damit verbundenen Bedrohung der von diesen Lebensräumen abhängigen Lebewesen und Lebensgemeinschaften entgegenzuwirken, besteht, nach den Vorstellungen von Wissenschaftlern, in der Schaffung eines Biotopverbundsystems.

 Die Aufgabe der vorliegenden Arbeit besteht darin, über eine Auswertung der wissenschaftlichen Literatur, die heutigen Vorstellungen und Empfehlungen für die Vernetzung von Biotopen zusammenzustellen und zu begründen.

 Eine Reihe von Maßnahmen der Biotopvernetzung ist über Modelle oder aus z.T. speziellen Anforderungen einzelner Tiergruppen an ihren Lebensraum hergeleitet. Die Mehrzahl der Versuche läuft gerade lange genug, um erste, oft noch nicht ausreichend gesicherte Ergebnisse zu liefern. Ein besonderer Schwerpunkt dieser Arbeit liegt in der Erfassung der für das Biotopverbundsystem wichtigen, ökologischen Lebensgrundlagen der weniger mobilen, bodengebundenen Arten, die in besonderem Maß auf ihren arteigenen Lebensraum angewiesen sind.

 Die Grundlagen der Inselökologie werden so weit bearbeitet, wie sie für das Verständnis der Thematik der Biotopvernetzung erforderlich sind.

 Im zweiten Teil dieser Arbeit wird zunächst ein Bewertungssystem für die Vernetzung von Biotopen erstellt, das an zwei Beispielflächen geprüft wird: Einer Landschaft, die gut mit naturnahen Lebensräumen ausgestattet ist und einer intensiv genutzten, ausgeräumten Landschaft. Hierfür wurde auf zwei ausgewählten Flächen eine Flächennutzungskartierung durchgeführt. Die eine ca. 1.000 ha große Fläche liegt im Ampertal und ist überwiegend als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Die zweite Fläche liegt in der Münchner Schotterebene. Sie ist ca. 3.000 ha groß und wird vor allem landwirtschaftlich genutzt. Zwei größere Naturschutzgebiete (Garchinger Heide und Echinger Lohe) liegen inselartig inmitten dieser intensiv genutzten Fläche.

 

Zusammenfassung
 
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Vernetzung von Biotopen zu erfassen und auszuwerten. Ein Schwerpunkt war dabei, die Verinselung und ihre Folgen auf die Überlebensfähigkeiten von Arten zu untersuchen, vor allem auch hinsichtlich der genetischen Auswirkungen der Verinselung auf isolierte Populationen. Dabei spielt die Auswirkung der Verinselung auf die genetische Information von Populationen eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die Forderung zur Erhaltung großer naturnaher Flächen mit ihren Arten. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage der Minimalareale für Populationen behandelt. Es wurden die Strategien der Verbindung von Biotopen, wie Trittsteine, Korridore und Biobrücken aufgezeigt.

  Im zweiten Teil der Arbeit werden diese Ergebnisse in einem Bewertungssystem zur Überprüfung der Qualität der Biotopvernetzung umgesetzt. Dabei liegt eine reich mit naturnahen Landschaftselementen ausgestattete Fläche von 1.000 ha im Ampertal zwischen Zolling und Palzing. Das zweite, 3.000 ha große, Untersuchungsgebiet liegt in der Münchner Schotterebene zwischen Isarauen, Neufahrn und Lohof. Es ist landwirtschaftlich intensiv genutzt und arm an natürlichen Landschaftselementen. Für diese Gebiete wurden anhand des Bewertungssystems Maßnahmen zur Verbesserung der Vernetzungsstrukturen hergeleitet.

  Das Bewertungssystem ist in Tabellen dargestellt. Die Ergebnisse der Bewertung und der Maßnahmen sind in Karten und Tabellen festgehalten.